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10 Jahre Deutscher Derivate Tag Branche blickt hoffnungsvoll in die Zukunft

Foto: DDV

Der diesjährige Deutsche Derivate Tag bot allen rund 250 Teilnehmern Gelegenheit, die zurückliegenden Jahre der Finanzkrise Revue passieren zu lassen, aber auch den Blick nach vorne zu richten.

In der Villa Kennedy richtete der scheidende geschäftsführende Vorstand, Dr. Hartmut Knüppel, einmal mehr einen eindringlichen Appell an die nationalen Entscheidungsträger, die Weichen für eine notwendige Wertpapierkultur zu stellen und ihre Bemühungen zu forcieren. Mit Blick auf die Anlageberatung sei der Gesetzgeber mitunter über das Ziel hinausgeschossen. Der bürokratische Mehraufwand stehe in keinem Verhältnis zum Mehrwert für die Anleger, so Knüppels Fazit. Die Bundestagsabgeordnete Bettina Stark-Watzinger, Vorsitzende des Finanzausschusses im Deutschen Bundestag, sagte mit Verweis auf die Regulierung, dass es ein Zuviel an Information gebe und weniger manchmal durchaus mehr sei. Mit Blick auf die Kapitalmärkte müsse es zwingend zu einer Balance zwischen Verbraucherschutz auf der einen und genug Raum für den mündigen, selbstbestimmten Anleger auf der anderen Seite geben. Hieran solle sich die Regulatorik ausrichten und messen lassen, so Stark-Watzinger. Seitenlange Formulare seien im Beratungsgeschäft nicht dienlich, sie sorgten mitunter sogar dafür, dass der Sparer die Lust am Anlegen verliere. Dies, zumal der deutsche Sparer gemeinhin alles andere als kapitalmarktaffin sei.

Deutscher Nachholbedarf
„Ende der Stabilität – eine Standortbestimmung in turbulenten Zeiten“, so lautete der Vortragstitel von Hans-Ulrich Jörges, prominenter Politikjournalist und Kolumnist der Stern-Redaktion. Mit bemerkenswerter Präzision zeichnete Jörges ein ausgesprochen differenziertes, mitunter nachdenklich stimmendes Bild der Parteienlandschaft im Jahr 2018. Den „großen“ Volksparteien stellte er ein geradezu vernichtendes Zeugnis aus.

Nicht einmal 50 Prozent der Wähler würden ihre Stimme derzeit einer die beiden Volksparteien geben. Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in West- und Ostdeutschland drohe mitunter ein politisches Erdbeben. Parlamentsmehrheiten im demokratischen Spektrum zu finden, bleibe vor diesem Hintergrund schwierig. Der SPD fehle es durchaus an inhaltlicher Kontur, bei der CDU drehe sich viel um die Zeit und Personen nach der Ära Merkel. Die Verantwortlichen versäumten es hingegen, dringende Themen wie Bildungsnotstand und Digitalisierung konsequent anzugehen. Hier drohe Deutschland im internationalen Konzert abzurutschen.

Rundum gelungen
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Wissenschaft. Professor Christian Koziol, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des DDV, ging der Frage nach Komplexität und deren Reduktion bei Finanzprodukten auf den Grund. Empirisch sei bewiesen, dass strukturierte Wertpapiere nicht komplexer seien als andere Finanzinstrumente auch, resümierte er vor seiner Überleitung zu Professor Steffen Meyer, der auf den Stellenwert innovativer Finanzprodukte in den Anlegerportfolien einging. Wie können Anleger letztlich bessere Entscheidungen treffen? Das Handelsverhalten vieler Marktteilnehmer sei dabei oftmals nicht das Ergebnis einer vernünftigen Abwägung, sondern in erster Linie von Emotionen beeinflusst, so Meyer. Hektisches, häufiges Traden sei demzufolge eher kostspielig und würde sich negativ auf die Nettorenditen der Kundendepots auswirken. Abschließend ging der Frankfurter Finanzwissenschaftler Professor Andreas Hackethal auf die Verhaltensökonomie ein und plädierte in diesem Kontext für eine Just-in-Time-Finanzbildung. Kunden und ihre Vorsorge müssten ganz individuell gesehen und entsprechende Lösungsansätze erarbeitet werden.

Insofern war auch der Derivate Tag zum Jubiläum eine, wie in den Vorjahren, rundum gelungene Veranstaltung, so dass die Branche bereits heute auf die elfte Ausgabe im kommenden Jahr gespannt sein kann.

LARS BRANDAU (50) ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dessen Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der studierte Germanist und Politologe gilt als ausgewiesener Kommunikationsprofi. Zuvor war er unter anderem in verschiedenen leitenden Funktionen beim Nachrichtensender n-tv tätig, zuletzt als Chefmoderator. In dieser Zeit berichtete er als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte zahlreiche Landtags- und Bundestagswahlen und moderierte drei Jahre lang die Telebörse. Lars Brandau

Geschäftsführer, Deutschen Derivate Verbands (DDV)

Aufgaben und Ziele des DDV

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) ist die Branchenvertretung der 15 führenden Emittenten derivativer Wertpapiere in Deutschland, die mehr als 90 Prozent des deutschen Zertifikatemarkts
repräsentieren. Darüber hinaus unterstützen weitere 12 Fördermitglieder die Arbeit des Branchenverbands. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 erarbeitet der DDV verbindliche Standards für die Industrie. Zu den primären Zielen des DDV zählen auch die Bildung und Aufklärungsarbeit. Strukturierte Produkte werden einer breiteren Öffentlichkeit näher gebracht, unter anderem auf der Webseite des Verbands.

www.derivateverband.de