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5 Fragen, 5 Antworten – Zwischen Deutschland und China

5 Fragen, 5 Antworten – Zwischen Deutschland und China
1. Was macht den DAW so attraktiv für deutsche Unternehmen?
Yuechao Zhao: Der Deutsch-Asiatische Wirtschaftskreis e. V. (DAW) wurde 1995 von Bodo Krüger, Honorar-Generalkonsul von Nepal und seitdem Präsident des Vereins, ins Leben gerufen und hat sich zu einem der einflussreichsten asiatischen Wirtschaftsclubs entwickelt. Er ist ein Netzwerk aus inzwischen mehr als 1.900 Unternehmen und Institutionen. Das Ziel ist, Freundschaften zwischen den Ländern Asiens und Deutschland zu vermitteln und Brücken zwischen den Kulturen zu bauen, um dann leichter Wirtschaftsbeziehungen aufnehmen zu können. Das geschieht nicht nur während den Wirtschaftsveranstaltungen und Seminaren, sondern auch bei Freizeitevents wie dem inzwischen traditionellen DAW Golf-Cup.
2. Welche Aufgaben haben Sie beim DAW?
Yuechao Zhao: Mit zahlreichen Vertretungsbüros in Asien, unter anderem in China, Japan, Vietnam, Singapur und Laos ist der DAW zwar gut vertreten, aber nur auf einen Präsidenten in Asien berufen, nämlich in China. Dies zeigt, dass der DAW den chinesischen Markt sehr schätzt. Als Präsident des DAW für China bin ich für die Kommunikation zwischen der chinesischen und der deutschen Regierung zuständig. Zudem manage ich konkrete Matchmaking-Vereinbarungen zwischen den Unternehmen aus beiden Ländern, insbesondere dann, wenn es um einen Know-how- beziehungsweise Technologie-Transfer geht. Einen großen Mehrwert bringen dabei vor allem die Reisen bilateraler Geschäftsdelegationen von deutschen Unternehmen nach China und umgekehrt. Durch meine mehrjährige Expertise aus der Arbeit für die chinesische Regierung konnte ich einen tiefen Einblick in die Geschäftswelt der chinesischen Unternehmer erlangen und bin daher heute im Stande, deutschen Unternehmen einen hochqualifizierten Service mit Fachkenntnissen und Spezialfertigkeiten beim Thema Kooperation und Investition sowohl mit als auch in China zu bieten.
3. Wie sehen Sie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China?
Yuechao Zhao: 40 Jahre sind nun seit Chinas Reform- und Öffnungspolitik vergangen. In diesen 40 Jahren hat China eine große Wandlung in vielen Bereichen erlebt. So ist nicht nur das chinesische Bruttoinlandsprodukt von 1,8 Prozent auf zwischenzeitlich 15 Prozent gestiegen, China hat sich auch zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt und trägt 30 Prozent zum Weltwirtschaftswachstum bei. Dabei hat sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 156 US-Dollar auf mehr als 9.000 US-Dollar erhöht. Sowohl China als auch Deutschland gehören zu den wichtigsten Exportländern weltweit und sind die Treiber des freien Handels und eines offenen Marktes. Entsprechend war China im Jahr 2017 zum zweiten Mal in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die gegenseitigen Investitionen sind zwischenzeitlich ebenfalls enorm gewachsen. Während des anhaltenden Modernisierungsprozesses benötigt China für seine rasante wirtschaftliche Entwicklung das technologische „German Know-how“, und genau das führt zu großen Chancen für deutsche Unternehmen. Folglich werden wir uns mit dem DAW für die weitere Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland einsetzen, quasi als eine Brücke für Dialoge und Kooperationen fungieren und den Ausbau weiterer Kooperationsbereiche unterstützen.
4. Welche deutsche Branche ist die interessanteste aus Sicht von China?
Yuechao Zhao: China hat eine große Landfläche und kann nach Regionen in die Wirtschaftszonen Pearl River Delta, Yangtze Delta, Nordchina sowie Mittel- und Westchina unterteilt werden. Der industrielle Fokus in den verschiedenen Regionen ist unterschiedlich. Insbesondere die Bereiche intelligente Fertigung, Automobilindustrie, Umweltschutz und Pharmaindustrie sind in China von größerem Interesse. Derzeit setzt die chinesische Regierung viel daran, die „neue Normalität“ des Wirtschaftswachstums zu sichern. So stehen chinesische Unternehmen vor einer historischen Phase der Industrieumwandlung und Effizienzsteigerung. Die dringende Nachfrage nach deutscher Hoch-Technologie bietet auch deutschen Unternehmen die seltene Chance, sich in China rasant zu entwickeln.
5. Wo können beide Länder noch voneinander lernen?
Yuechao Zhao: Aufgrund der unterschiedlichen historischen und kulturellen Faktoren haben China und Deutschland auch verschiedene industrielle und kommerzielle Merkmale. Im Großen und Ganzen denke ich, dass China von Deutschland einiges lernen kann. So steht Deutschland unter anderem für hochwertige Qualität sowie gewissenhafte, pünktliche und perfekt geplante Arbeitsprozesse. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass Deutschland über zahlreiche etablierte Marken mit einer Geschichte von mehr als einhundert Jahren verfügt. Mercedes-Benz, Siemens und Bosch genießen mit ihren qualitativ hochwertigen Produkten weltweit hohes Ansehen. Dagegen könnten sich deutsche Unternehmen meines Erachtens von der flexiblen, pragmatischen und offenen Mentalität sowie von der schnellen Reaktionsgeschwindigkeit chinesischer Unternehmen eine Scheibe abschneiden. Nach 40 Jahren Reform und Öffnung hat Chinas Wirtschaft etliche Wettbewerbsvorteile in Bezug auf den riesigen Markt und ausreichend Kapital etabliert. Dies könnte sich mit den Stärken zahlreicher deutscher Unternehmen sehr gut ergänzen. Wenn sich China und Deutschland gegenseitig helfen und die Zusammenarbeit weiter intensivieren, könnten beide Parteien auf dem internationalen Markt unbesiegbar werden.
Yuechao Zhao hat nach dem Abschluss seines Studiums an der University of International Relations in Peking seine berufliche Karriere im chinesischen Außenministerium begonnen. Mehr als 10 Jahre arbeitete er in Australien, Indonesien und Deutschland. Nach vier Jahren in Frankfurt am Main, in denen er die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Unternehmen und Regierungen in China und Deutschland unterstützte, entschied er sich, dem Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreis (DAW) beizutreten und diverse Bereiche weiterzuentwickeln. Als Präsident des DAW China organisiert er unter anderem zweimal im Jahr Delegationsreisen für deutsche Unternehmen nach China und ist außerdem für Reisen chinesischer Unternehmens- und Regierungsdelegationen nach Deutschland verantwortlich. Mit der Gründung von fünf chinesischen Niederlassungen in Peking, Shanghai, Shenzhen, Shenyang und Hangzhou hat er für den DAW bereits großartige Leistungen vollbracht.

DAW China