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5 Fragen 5 Antworten Moderatorin zwischen Kulturen

Bild: VIRGINIA WANGARE GREINER
Frau Wangare Greiner, Seit1986 leben sie In Deutschland, seitdem ist eine lange zeit vergangen. Erzählen sie uns doch bitte ein wenig von sich.

VIRGINIA WANGARE GREINER: Ich bin zunächst als Flüchtlingskind aus Kenia in Tansania aufgewachsen. Mit 12 Jahren kam ich wieder nach Kenia und habe dort mit meinem Engagement angefangen. Ich habe dann einen deutschen Entwicklungshelfer kennengelernt und geheiratet. Später sind wir nach Deutschland, genauer gesagt nach Frankfurt, gezogen. Von der afrikanischen Gemeinde in Frankfurt bin ich für fünf Jahre als Vertreter in den Ausländerbeirat gewählt. 2020 steht die nächste Wahl an. Meine fünf Kinder sind teilweise in Kenia auf die Welt gekommen, teilweise sind sie Frankfurter. Heute lebt ein Sohn in Brasilien und eine Tochter in Dubai. Und ich habe bereits fünf Enkelkinder.

Sie setzen sich sehr stark für die Integration und vor allem für die rechte von Migrantinnen ein. können sie über erfolge berichten?
VIRGINIA WANGARE GREINER: Das ist richtig. Ich berate auf der einen Seite die afrikanische Community, auf der anderen Seite bin ich Geschäftsführerin der von der Stadt Frankfurt geförderten Beratungsstelle Maisha e. V., die sich der Gesundheitsförderung von Migrantinnen widmet. Inzwischen kommen aber auch immer mehr Menschen aus Osteuropa in unser Büro, die aus dem sozialen Netz herausgefallen sind und ärztliche Hilfe benötigen. Das zeigt, das unser Ansatz funktioniert. Wir arbeiten dabei natürlich eng mit dem Gesundheitsamt und anderen Behörden der Stadt Frankfurt zusammen. Vor allem ist es ist schön, wenn wir Menschen helfen können, auch wenn es nur kleine Dinge sind. So war vergangene Woche eine Frau da, die ihre Tasche und alle Papiere im Zug verloren hatte. Wir konnten dann für sie herausfinden, dass es mehrere Fundbüros gibt und haben sie dann gezielt in zwei geschickt – letztendlich hat sie ihre Tasche wiederbekommen. Ohne die Papiere hätte sie riesige Probleme gehabt. Man braucht einfach das Glück, bei seiner Ankunft in einem fremden Land auf die richtigen Menschen zu treffen, die einem weiterhelfen.
2006 bekamen sie als erste nichtdeutsche das Bundesverdienstkreuz am Bande. Haben sie es seitdem einfacher bei ihrer Arbeit?

VIRGINIA WANGARE GREINER: Einfacher würde ich nicht sagen. Aber die Anerkennung in der Gesellschaft für unsere Arbeit bedeutet mir sehr viel und motiviert mich, mich noch stärker zu engagieren. Natürlich haben sich Türen geöffnet und ich bin seitdem in viele nationale und internationale Gremien eingezogen. Der Vorteil ist, dass man als Trägerin des Bundesverdienstkreuzes einfach mehr gehört wird und auch öfter mitentscheiden kann. Daneben hat es mir viele neue Kontakte gebracht und ich schaue mehr über den Tellerrand und lerne sehr viel. Das sind große Chancen, die ich ohne diese Auszeichnung nicht bekommen hätte. Aber daneben sollte nicht vergessen werden, dass ich für meine Arbeit und mein Engagement auch andere Auszeichnungen bekommen habe. So erhielt ich 2002 den Integrationspreis der Stadt Frankfurt für mein Engagement bei Maisha e. V., 2010 den Dr.-Gabriele-Strecker-Preis, 2015 den African Achievement Yaa Asantewaa Awards und 2017 den Elisabeth-Norgall-Preis des International Women’s Club of Frankfurt e. V. Auszeichnungen machen die Arbeit nicht leichter. Ich bin viel in Europa gereist, um unsere Arbeit für Migrantinnen zu präsentieren, dadurch hat sich meine Arbeitsbelastung nicht verringert

Mit welchen Themen befassen sie sich momentan?

VIRGINIA WANGARE GREINER: Momentaner Schwerpunkt der Arbeit von Maisha e. V. sind Migration, Integration, Gesundheit und die Rückkehrvorbereitung und -begleitung für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen. Der Verein betreut eine Clearingstelle des Stadtgesundheitsamtes auch für Frauen ohne Papiere oder ohne Krankenversicherung. Wir fordern für sie gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung und therapeutischen Einrichtungen, da diese Frauen aufgrund von traumatischen Fluchterfahrungen medizinische und psychosoziale Betreuung benötigen. Wir fördern aber auch Entreneurship für Flüchtlinge und Rückkehrer. Momentan starten wir mit einem Onlineshop, suchen aber auch einen Sponsor, der uns Räume oder einen echten Laden in Frankfurt anbietet.

Und was sind ihre Wünsche für die Zukunft?

VIRGINIA WANGARE GREINER: Ich wünsche mir, dass die Menschen den Dialog mehr miteinander als übereinander führen, aber auch, dass die Hautfarbe keine Rolle spielt. Noch immer spüre und sehe ich Hindernisse im täglichen Leben. Daneben würde ich mich freuen, wenn unser Onlineshop noch stärker frequentiert würde, dass die tollen Produkte Abnehmer finden und dass wir damit bald ein wirklich echtes Zuhause finden, damit die Produkte angesehen werden können. Dies soll auch ein offener Ort werden, wo afrikanische Frauen in Dialog mit deutschen Frauen treten können.

Virginia Wangare Greiner engagiert sich seit 25 Jahren für Menschenrechte und beschäftigt sich insbesondere mit den Rechten von Frauen und Mädchen. 1959 in Kenia geboren, lebt sie mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern seit 1986 in Deutschland. Bereits in Nairobi hat sie sich für benachteiligte Mädchen engagiert. Sie war viele Jahre im Integrationsbeirat der Bundesregierung und ist Mitbegründerin und 1. Vorsitzende des European Network of Migrant Women (ENoMW). Virginia Wangare Greiner ist auch Sprecherin des bundesweiten Deutschen Netzwerks zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung (INTEGRA). Frau Wangare Greiner erhielt für ihren ehrenamtlichen Einsatz zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter den Integrationspreis der Stadt Frankfurt sowie als erste Nichtdeutschedas Bundesverdienstkreuz am Bande.

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