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…und die Gewinner sind

…und die Gewinner sind

Bereits seit 2008 findet im April die Verleihung der DDV-Preise für Wirtschaftsjournalisten in Stuttgart statt. So nun auch in diesem Jahr. Wiederum versammelten sich zahlreiche Medienvertreter und Brancheninsider im Kunstmuseum, um gespannt das Geschehen zu verfolgen. Wessen Beitrag hat die Jury denn nun vollends überzeugt? In feierlichem Rahmen und mit Unterstützung der Börse Stuttgart und Börse Frankfurt Zertifikate wurden die Sieger präsentiert. Erstmalig in vier neuen Kategorien. Darüber hinaus wurden wieder ein Sonderpreis der Jury und ein Preis für die Journalisten des Jahres ausgelobt. Die Auszeichnung als Journalisten des Jahres ging dabei in diesem Jahr an das Redaktionsteam des Handelsblatts.

Qualitäts-Journalismus ist in Zeiten von Fake-News umso wichtiger und muss honoriert werden. Aber nicht immer reicht heutzutage die Zeit für eine tiefgehende Recherche aus. Die Suche nach echten Informationen inmitten vieler Falschmeldungen ist nicht immer leicht. Und nicht zuletzt muss guten Journalisten ein gewisser Widerspruchsgeist innewohnen.

Trotz aller gesellschaftlichen Umbrüche stehen Journalisten als vierte Macht im Staat weiterhin in der Pflicht, zu erklären, wie sie einzelne Nachrichten aussuchen, gewichten und welche Stories einen spürbaren Mehrwert für die Leserschaft bringen. Denn trotz allen Fortschritts überdauert diese Konstante jeglichen Zeitgeist: Ob Zuschauer, Hörer oder Leser – sie alle benötigen nutzwertbringende, fundierte Informationen, um dann selbständig Entscheidungen zu treffen. Das Wesentliche einfach und prägnant hervorzuheben, bleibt der Wesenskern des ernstzunehmenden Journalismus.

Seit 2008 zeichnet der Deutsche Derivate Verband am Vorabend der INVEST jedes Jahr herausragende Beiträge aus. In diesem Jahr wurden besonders hervorstechende journalistische Leistungen in vier neuen Kategorien gewürdigt. Es gab zahlreiche Einsendungen (Print und Online) in den Rubriken Allgemeine Wirtschafts- und Finanzpolitik, Altersvorsorge, Geldanlage und Strukturierte Wertpapiere. Neben dem Kriterium der sprachlichen Qualität sind die Originalität der Herangehensweise und insbesondere die Verständlichkeit für den Leser ausschlaggebend.

Gewinner in der Kategorie „Geldanlage“

Lukas Zdrzalek, Foto: René Schiffer

In der Kategorie „Geldanlage“ befand die Jury den Beitrag „Ein Reinfall für zwei“ von Lukas Zdrzalek als auszeichnungswürdig. Der Preisträger ist Absolvent der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft und hat sich, trotz seiner wenigen Berufsjahre, schon einige Sporen verdient. So war er vor seinem Eintritt bei Capital im Herbst vergangenen Jahres bereits als Pauschalist im Geld-Team der Süddeutschen Zeitung tätig und hat sich hier regelmäßig mit Themen des Investmentspektrums (Fonds, Wertpapiere und strukturierte Wertpapiere) befasst. In seinem Beitrag beleuchtet Zdrzalek das Gebaren einiger Anlegeranwälte, die mitunter zuvor geprellte Anleger darin bestärken, Prozesse zu führen. Am Ende können Kläger dabei auch auf hohen Anwalts- und Gerichtskosten sitzenbleiben, neben den Anlagekosten. Dieses Nischenthema fundiert, mit Beispielen ergänzt, und facettenreich aufzuarbeiten, gab letztlich den Ausschlag für die Siegerwertung der Jury.

Gewinner in der Kategorie „Altersvorsorge“

Martin Reim, stv. für das Autorenteam €uro

Auch das Rahmenthema der zweiten Kategorie „Altersvorsorge“ ist breit gefächert. Zumal die äußeren Umstände – Niedrigzinsen seit Jahren – für den Großteil der Bundesbürger mehr als herausfordernd sind. Mitunter hat sich aber am Sparverhalten der Deutschen bis dato nur wenig verändert. Dennoch reift hoffentlich nach und nach die Erkenntnis, dass die gesetzliche Rente nur ein Baustein zum Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge ist. Neue Konzepte, wie die Deutschlandrente, werden öffentlich diskutiert; ihre Praktikabilität wird sich zeigen. In ihrer Titelgeschichte „So geht Rente“ in €uro 12/17 geht das Autorenteam rund um Martin Reim, stellvertretender Ressortleiter Privatfinanz beim Finanzen Verlag, auf die Möglichkeiten der gesetzlichen und privaten Vorsorge ein. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die Versorgungslücke vieler Bundesbürger. Es folgen umfangreiche, in sich geschlossene Kapitel von der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Rente bis hin zur Privatrente und zu Fondssparplänen. Auch das Thema Steuern wird von den Autoren nicht ausgespart. Trotz des Umfangs ist es dem Gesamtteam, namentlich neben Reim noch Markus Hinterberger (Immobilien), Andreas Höß (Fonds), Stefan Rullkötter (Steuern) und Stephan Haberer (frei; Artikel zur Gesetzlichen Rente), eindrucksvoll gelungen, die komplexe Materie der Rente leserfreundlich aufzuarbeiten und mit wertvollen Praxisbeispielen und statistischem Material anzureichern.

Gewinner in der Kategorie „Allge­meine Wirtschafts-­ und Finanz­politik“

Dyrk Scherff

In der dritten Kategorie „Allgemeine Wirtschafts- und Finanzpolitik“ befanden die Juroren den Beitrag „Draghis Billionen“ des FAS-Journalisten Dyrk Scherff für preiswürdig. Der diplomierte Betriebswirt ist bereits vor knapp 20 Jahren als Redakteur in die Finanzredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eingetreten. 2002 wechselte er in das Ressort Wirtschaft und zu „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dort kümmert er sich um Geldanlage in allen Ausprägungen, um Steuern, Sozialversicherungen und Verbraucherfragen. Im Wirtschaftsteil der Zeitung schreibt er ferner über Luftfahrt-, Bahn- und andere Mobilitätsthemen. In seinem Beitrag geht Scherff auf die Hintergründe der EZB-Politik des Anleihenkaufs ein und zeigt detailliert und grafisch gut aufbereitet auf, welche Auswirkungen die EZB-Politik auf die Finanzierung der öffentlichen Haushalte in den Euroländern hat. Zwar haben die Euro-Zentralbanker beschlossen, ihre nicht ganz unumstrittenen Anleihenkäufe im Zuge der deutlich verbesserten Konjunktur zu drosseln, trotzdem wird das Ankaufsprogramm mit einem monatlichen Volumen von 30 Mrd. Euro einstweilen weiter fortgesetzt.

Gewinner in der Kategorie „Strukturierte Wertpapiere“

Daniela Helemann

Daniela Helemann, Preisträgerin in der vierten Kategorie „Strukturierte Wertpapiere“, befasst sich seit einigen Jahren mit den Themen des Zertifikateuniversums. Sie ist studierte Germanistin mit Schwerpunkt Sprachwissenschaft und blickt bereits auf eine langjährige Erfahrung als Journalistin mit Fokus Wirtschafts- und Finanzthemen zurück. Nach beruflichen Stationen beim ZertifikateJournal und der Ratingagentur Scope ist sie seit Anfang 2012 als Redakteurin an Bord beim ZertifikateBerater. Darüber hinaus ist sie auch im Jury-Vorstand der jährlich vergebenen ZertifikateAwards. Im vergangenen Jahr wurde sie gemeinsam mit Ralf Andress als Journalisten des Jahres ausgezeichnet. Sie geht in ihrem Beitrag „Gefragte Lösung im Zinsdilemma“ der Sache auf den Grund, warum Express-Zertifikate in der Vergangenheit einen vergleichsweise starken Boom erlebt haben. Hierzu macht sie mehrere Gründe aus und folgert, dass die Rückzahlungschance natürlich ihren besonderen Reiz habe. Dennoch weist sie in ihrem mehrseitigen, sehr ausgewogenen Text auch auf die vermeintlich kritischen Aspekte beim Kauf eines Express-Zertifikats und der eventuell frühzeitigen Rückzahlung hin.

Gewinner in der Kategorie „Sonderpreis“

Anne E. Connelly
Birgit Wetjen

Neben den Auszeichnungen in diesen Kategorien lobte die Jury wie auch im Vorjahr einen Sonderpreis aus. Dieser ging an die Gründerinnen und Betreiber des Portals hermoney.de, Anne E. Connelly und Birgit Wetjen. Für Menschen ohne auskömmliches Einkommen gibt es hierzulande zwar durchaus ein Mindestmaß an sozialer Sicherheit, dafür bleibt aber die Freiheit für die eigene Lebensgestaltung oftmals auf der Strecke. Das gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. Dennoch scheint es nach wie vor so zu sein, dass Geldanlage immer noch Männersache ist. Viele Frauen machen wohl weiterhin einen weiten Bogen um die Börse und schätzen ihr Finanzwissen als zu gering ein. Mit ihrem unabhängigen Finanzforum für Frauen wollen Connelly und Wetjen das vermeintlich schwache Geschlecht darin ermutigen, sich selbst um ihren Vermögensaufbau zu kümmern. Getreu dem Motto „Von Frauen für Frauen“. Beide Preisträgerinnen sind seit Jahren beruflich tief in der Finanzindustrie verankert, verfügen über fundiertes Know-how und präsentieren eine vergleichsweise trockene Materie sehr anschaulich und lebensnah.

Gewinner in der Kategorie „Journalisten des Jahres“

Daniel Schäfer, Redaktionsteam Handelsblatt Foto: Frank Beer
Ralf Andreß
Jessica Schwarzer, Redaktionsteam Handelsblatt Foto: Olaf Rayermann

Last but not least erfolgte auch dieses Jahr die Ehrung des Journalisten des Jahres. Die Jury einigte sich einstimmig auf das Redaktionsteam des Handelsblatts. Ausschlaggebend für die Würdigung ist nach Auffassung der Jury das stete, unentwegte Bemühen der gesamten Finanzredaktion für einen Mehrwert erzeugenden und leserfreundlichen Journalismus. Das ist gepaart mit einem sehr hohen Qualitätsanspruch und brandheißer Tagesaktualität. Die Redaktion bespielt die ganze Palette an Finanzinstrumenten und scheut auch keineswegs davor zurück, vermeintlich neue Asset-Themen aufzugreifen und zu hinterfragen. Qualitätsjournalismus, auch und gerade in Zeiten von Social Media. Den Preis nahmen stellvertretend Jessica Schwarzer (Chefkorrespondentin und Leiterin Journalismus Live) und Daniel Schäfer (Ressortleiter Finanzen) entgegen.