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Dubai Traditionell und hip

Fotos: Inna Hemme, Innasky.com

Die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate weist die meisten Guiness-Buch-Rekorde auf. Und zeigt sich an vielen Stellen trotzdem traditionell und sogar überraschend ziemlich hip.

Wohin soll die Reise gehen, um möglichst viel Superlative im kleinsten Umkreis zu sehen? Die Antwort ist schnell klar: Dubai. Das Wüstenemirat hält die meisten Rekorde in der Region: Über 100 Eintragungen in das Guinness-Buch der Rekorde sind es bereits. Mit mehr als 1,1 Mio. Quadratmetern ist die Dubai Mall das größte Einkaufszentrum der Welt. Mit AIN Dubai wird dieses Jahr das höchste Riesenrad der Welt eröffnen. XLine Dubai Marina ist die längste Stadt-Zipline weltweit. In der Dubai Mall befindet sich Candylicious, das größte Süßwarengeschäft der Welt. Und die Dubai Fountains sind das größte aufeinander abgestimmte Springbrunnensystem der Welt. Natürlich steht in Dubai auch das höchste Gebäude der Welt, der 828 m hohe Burj Khalifa – mit den meisten Etagen der Welt (160).

COCKTAILS IN DEN WOLKEN
Atmosphere, auf der Ebene 122, ist das höchste Restaurant der Welt. Bekannt für seine Signature-Cocktails, aus denen so viel Nebel herauskommt, als wären sie tatsächlich aus den Wolken gegriffen. Danach geht’s ins Karma Kafé, ein Pan-Asia-Restaurant direkt mit der Aussicht auf die Fontäne. Die Gäste hier brauchen nicht, wie die vielen anderen, auf den Brücken ausharren und sehen die Show mindestens viermal während des Abendessens. Gemütlich bei Miso Cod und Black Angus Beef Burgern.

CARTIER KAM ZUM PERLENKAUFEN NACH DUBAI
Wer im Waldorf Astoria Dubai Palm Jumeirah auf der berühmten Palme übernachtet, kann jeweils mit sensationeller Kulisse morgens den Sonnenaufgang von der einen Seite des Hotels bewundern und abends den Sonnenuntergang von der anderen. Aus dieser Entfernung sieht Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, bloß wie eine Nadel zwischen der Skyline aus. Viel näher erscheint dagegen das segelförmige Burj al Arab, das erste Sieben-Sterne-Hotel der Welt. Verrückt, was Dubai seit der Entdeckung des Öls im Jahr 1966 alles auf die Beine gestellt hat! Davor war der Perlenhandel die wichtigste Einnahmequelle – und der Grund, warum die dürre Gegend jahrhundertelang überlebt hat. Cartier kam schon vor 100 Jahren nach Dubai, um Perlen zu kaufen. Bis zu 25 mal am Tag mussten Perlentaucher, damals ohne Ausrüstung, zum Meeresgrund – in der Hoffnung, reich zu werden. In tausend Muscheln fanden sie vielleicht eine Perle.

Die Gäste im Waldorf Astoria haben da deutlich mehr Fund-Glück. Bei der Arabian Pearl Experience können sie nach eigenen Muscheln tauchen und dürfen dann die gefundene Perle behalten. Die Trefferquote ist 1:5, denn es handelt sich um Zuchtperlen! Sogar ein Designer ist vor Ort, der dann daraus ein Schmuckstück kreiert – nach Wunsch auch einen Verlobungsring. Denn nur zum Juwelier gehen und einen kaufen? Das wäre in Dubai zu gewöhnlich.

KAMELE TEUERER ALS LAMBORGHINIS
Perlentauchen ist Ihnen zu romantisch? Dann zurück zum Öl. Bei der exklusiven Driving Experience bietet das Luxus-Hotel zusammen mit Lamborghini seinen Stammkunden eine Testfahrt an. Das Waldorf Astoria Dubai Palm Jumeirah hat einen Award als das beste Hotel im Nahen Osten bekommen, der Lamborghini Huracán Performante wurde zum innovativsten Auto des Jahres gekürt.

Preisgekrönt trifft auf preisgekrönt – das passt doch gut zu Dubai. Aber brüllende Motoren hin oder her, am meisten freut man sich, wenn auf der Testfahrt ein paar Kamele tiefenentspannt über die Schnellstraße spazieren. Doch unterschätzen sollte man sie nicht, Kamele können bis zu 40 km/h schnell werden. Kamelrennen sind für die Einheimischen gleichzusetzen mit Formel-1-Rennen bei uns. Auf Farmen werden die Renn-Superstars gezüchtet, sind bis zur einer Million wert. Da sind die Lamborghinis mit etwa 335.000 Euro quasi ein Schnäppchen.

DREI MICHELIN-STERNE FÜR RAVIOLI
Und was macht man am Abend? Eigentlich müsste man das Hotel nicht verlassen: Heinz Beck gilt als Deutschlands bester Chef im Ausland und hat sich Drei-Michelin-Sterne erkocht. In seinem hoteleigenen Restaurant Social serviert er moderne italienische Küche – immer mit einem ungewöhnlichen Twist. Wie z.B. Lobster Medallions auf Mandel-Creme (ein Mix aus typischem Hummer-Geschmack, aber mit nussig-süßlicher Note) oder Fagottelli Carbonara, eine Art Ravioli, die auf der Zunge zerspringen wie überdimensionale Kaviar-Perlen.

Wer dennoch das Hotel verlässt, den führt es hoffentlich nach Deira, dem ältesten Stadtteil Dubais, wo man sonst nur zum schnellen Gewürze-Einkauf vorbeikommt. Hier öffnen derzeit immer mehr Cafés, die auch traditionelles Essen anbieten. Zu frisch gepressten Erfrischung lassen sich herrliche Sonnenuntergänge über der Bucht genießen, vorbeifahrende Dhaus und Einheimische beim Einkaufen in den Spice Souks oder Handeln in den Gold Souks beobachten. Sehr schnell kommt das Gefühl einer Zeitreise auf, denn in Deira gibt es weder Rekorde noch Motoren, sondern einfach nur die beste Falafel.

VERWANDLUNGSKÜNSTLER DUBAI
Wie hip Dubai werden kann, merken Touristen vor allem am Kite Beach im Stadtteil Jumeirah. Der Strand erinnert eigentlich mehr an Ibiza oder Miami. Zumindest sind die Strandoutfits eher westlich-knapp. Während des Dubai Food Festivals stehen hier Kantinen- Container aus aller Welt und es finden Rap-Wettbewerbe statt. Und auch sonst ist am Kite Beach immer etwas in Bewegung. Streetfood war lange kein Thema in Dubai. Denn das Leben fand wegen der enormen Hitze in den Sommermonaten überwiegend in klimatisierten Räumen statt. Doch heute stehen an vielen Stellen in der Stadt Food Trucks, es gibt Farmers Markets und sogar Street Art. Denn cool und modern möchte jeder sein – ob mit oder ohne Lamborghini. Wohl wissend, dass Dubai längst an fliegenden Shuttlediensten arbeitet – selbstfahrende Taxis gibt es ja bereits schon.