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Appetit auf Algorithmen

Foto: metamorworks / iStock
Künstliche Intelligenz erobert zunehmend unseren Alltag. Auch private Investoren können über ausgewählte Aktien, Fonds oder ETFs von dem Zukunftstrend profitieren.

Künstliche Intelligenz ist keine ferne Vision. Jeder kommt schon heute mit selbstlernenden Algorithmen in vielen Situationen des Alltags in Berührung. Ob im Handy in der Hosentasche, im Wohnzimmer, im Auto, beim Arzt oder im Büro: Künstliche Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig – und trotz mancher offenen Frage weithin akzeptiert. Laut einer Umfrage des IT-Dienstleisters Adesso vom Februar 2019 unter 1000 Verbrauchern und 329 Entscheidern in Unternehmen steht hierzulande die Mehrheit der Befragten KI positiv gegenüber und sieht darin viele Chancen, den eigenen Alltag zu erleichtern. „Künstliche Intelligenz ist wichtiger als die Erfindung von Feuer und Elektrizität“, ist auch Google-Chef Sundar Pichai überzeugt.

Die Umsätze, die hierzulande durch Technologien aus dem Gebiet der künstlichen Intelligenz beeinflusst werden, summieren sich Prognosen zufolge für 2019 auf 220 Milliarden Euro (s. Grafik S. 21). Für Anleger kann es sich vor diesem Hintergrund lohnen, diesen Bereich bei ihren Investments zu berücksichtigen.

Zu den Vorreitern dieser Entwicklung zählt Alphabet (ISIN US02079K3059). In fast keinem Dienst, der von dem kalifornischen Internet-Riesen angeboten wird, fehlt der Einfluss von Künstlicher Intelligenz. Wer die Alphabet-Tochter Google nutzt, bei dem erscheinen zum Beispiel zielgenau die individuell angepassten Ergebnisse auf eine Suchanfrage. In der Forschungsabteilung von Google Brain wiederum wurde jüngst gar eine neue Künstliche Intelligenz entwickelt, die Gerüche identifizieren kann. Und Duplex ist in der Lage, selbständig Anrufe mit Menschen durchzuführen, beispielsweise um Termine in einem Restaurant zu vereinbaren. Die US-Investmentbank Goldman Sachs führt Alphabet auf ihrer „Conviction Buy List.“

Taxi-Bestellung mit Alexa
Auch Amazon (ISIN US0231351067) ist mit seinen neuen KI-Produkten ganz nah am Verbraucher. Ende Oktober meldete der Online-Multi einen Gewinn von 2,1 Milliarden Dollar für das dritte Quartal – 26 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichwohl ist der Umsatz mit einem Zuwachs von 24 Prozent stärker als erwartet auf 70 Milliarden Dollar gestiegen. Der digitale Assistent Echo ist gekoppelt an die Computerintelligenz Alexa, die auf den firmeneigenen Amazon-Servern liegt. Wird mit ihr per Echo kommuniziert, ist sie in der Lage, Sprachbefehle zu verstehen und auszuführen. Alexa kann beispielsweise ein Taxi bestellen oder das Wetter voraussagen. Dabei orientiert sie sich an den Bedürfnissen ihrer Nutzer und passt sich diesen immer besser an.

Eine Milliarde Menschen sind täglich auf Facebook (ISIN US30303M1027) aktiv, das durch langfristig angelegte Technologie-Initiativen in den Bereich Künstliche Intelligenz Wachstum schaffen will. Schon jetzt erkennt der Zuckerberg-Konzern mit Hauptsitz in Menlo Park dank KI durch Gewohnheiten, Kontakte und andere Daten, wer mit wem wirklich gut befreundet ist und zieht Rückschlüsse darauf, welche Posts oder Werbung individuell interessant sein könnten – häufig, ohne dass sich der Endnutzer bewusst ist, dass hier KI im Spiel ist. Für die Deutsche Bank ist Facebook ein Kauf.

Auch für Apple (ISIN US0378331005) steht das Thema Künstliche Intelligenz hoch im Kurs. Der Konzern mit einem Börsenwert von knapp über einer Billion Dollar hat in den vergangenen zwei Jahren etliche KI-Unternehmen erworben und tritt damit in die Riege der Marktführer ein. Der sprachgesteuerte Apple-Assistent Siri wurde im Laufe der Jahre von einem einfachen Sprach-Assistenten zu einem vollwertigen digitalen Assistenten weiterentwickelt und das Unternehmen arbeitet darüber hinaus an einem KI-Chip namens ‚Apple Neural Engine‘, der nicht zuletzt zur intelligenten Stimm- und Gesichtserkennung eingesetzt werden soll. Computer-Dino IBM (ISIN US4592001014) ist bereits seit den 1950er Jahren führend auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Für großes Aufsehen sorgte im Jahr 1996 der damalige IBM-Supercomputer Deep Blue, mit dem es erstmals einer Maschine gelang, den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparov zu schlagen. Heute steuern kognitive Lösungen wie Watson, die beispielsweise in der Gesundheits- und Pharmabranche eingesetzt werden, bereits ein Viertel zu den Umsätzen von IBM bei – Tendenz steigend. Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 18 Milliarden Milliarden Dollar.

Breit gestreut investieren
Zu einem der wichtigsten Akteure im Bereich Künstliche Intelligenz hat sich Nvidia (ISIN US67066G1040) entwickelt. Ob in der Autoindustrie, in der Medizin oder im Maschinenbau – fast überall, wo datengetriebene Projekte für maschinelles Lernen entstehen, ist die Firma aus Santa Clara mit von der Partie. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Nvidia unter dem Strich einen Gewinn von 4,14 Mrd. Dollar. Der Umsatz belief sich auf 11,7 Mrd. Dollar. Nach einer Kursverzehnfachung von Mitte 2016 bis Herbst vergangenen Jahres fiel die Aktie in eine heftige Korrektur und gab die Hälfte ihres Werts ab. Seit Beginn dieses Jahres tendiert Nvidia wieder deutlich gen Norden. Das Analysehaus RBC Capital Markets zählt Nvidia zu den derzeit besten Halbleiter-Firmen und rät zum Kauf.

Der Cyber Security Anbieter CrowdStrike Holdings (ISIN US22788C1053) nutzt maschinelles Lernen als Form der künstlichen Intelligenz, um Schadsoftware auf Laptops, Mobiltelefonen und anderen Geräten zu erkennen. Beim Umsatz (im zweiten Quartal dieses Jahres 108,1 Millionen Dollar) verzeichnet die im Firma, die im Juni ein fulminantes Börsendebüt gab, rund dreistellige Wachstumsraten, jedoch ist sie noch nicht in der Gewinnzone angelangt.

Die KI-Anwendungen von The Trade Desk (ISIN US88339J1051) identifizieren die besten Websites, auf denen es sich lohnt, Anzeigen zu kaufen und zu schalten. Mit ihrer intelligenten Plattform erzielt die Gesellschaft überdurchschnittliche Wachstumsraten. Der Umsatz wurde in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um knapp 60 Prozent, der Gewinn gar um rund 70 Prozent pro Jahr gesteigert.

Europäische Firmen spielen mit Blick auf KI bislang eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch ortet die DZ Bank auch deutsche Hightech-Firmen als KI-Profiteure. Mit SAP, Infineon, Software AG und Aixtron empfehlen die Analysten vier Aktien, die von der nächsten KI-Welle profitieren sollten.

Interessant in Europa erscheint auch der in Irland ansässige Automobilzulieferer Aptiv (ISIN JE00B783TY65), der an der New Yorker Börse notiert ist. Er entwickelt Fahrassistenzsysteme mit hochinnovativer Technik und ist beim autonomen Fahren inzwischen zum Konkurrenten von Google avanciert. Unternehmenskenner halten es für realistisch, dass Aptiv früher oder später von einem der Großkonzerne aufgekauft werden dürfte, die ins autonome Fahren investieren wollen.

Anleger, die angesichts der erhöhten Einzelrisiken breit gestreut in den Megatrend Künstliche Intelligenz investieren möchten, können unter einer ganzen Reihe von börsengehandelten Indexfonds wählen. Dazu zählen der WisdomTree Artificial Intelligence ETF (ISIN DE000A2N7NJ6), der Amundi Stoxx Global Artificial Intelligence ETF (ISIN LU1861132840) und der Xtrackers Artificial Intelligence and Big Data ETF (ISIN IE00BGV5VN51).

Zu den aktiv gemanagten Fonds zählt der Global Artificial Intelligence von Allianz Global Investors (ISIN LU1548497186) – laut der Münchener Kapitalanlagegesellschaft der erste Fonds in Europa, der Anlegern den Zugang zu sämtlichen Bereichen des KI-Segments ermöglicht. Der Mitte 2018 aufgelegte Acatis AI BUZZ US Equities (ISIN DE000A2JF683) versucht mit Hilfe Künstlicher Intelligenz, die wahre Stimmung von Anlegern, Analysten und Managern zu erfassen.

Unabhängig davon, ob Anleger ihr Depot mit Einzelaktien, ETFs oder aktiv gemangten Fonds ergänzen wollen: Anleger sollten sich stets bewusst machen, dass Hoffnung und Angst im Bereich Künstliche Intelligenz nahe beieinander liegen – mit entsprechend hohen Kursschwankungen.

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