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Ein neues Kapitel am Goldmarkt

Foto: bodnarchuk / iStock
EZB-Chef Mario Draghi hat zuletzt weitere geldpolitische Lockerungen in der Eurozone „angedroht“. Nach dem Demokratie-unwürdigen Brüsseler Personalgeschacher soll nun die ehemalige französische Finanzministerin und heutige Chefin des IWF, Christine Lagarde, im Herbst 2019 Nachfolgerin von Signore Draghi und damit Präsidentin der Europäischen Zentralbank werden. Voraussichtlich wird auch die gelernte Juristin weiterhin eine lockere Geldpolitik betreiben – schlecht für deutsche Sparer, aber vielleicht gut für Edelmetalle wie Silber und Gold.

Lagarde wird die inflationstreibenden Anleihekauf-Programme mit größter Sicherheit wieder aufnehmen. Dadurch wird die EZB-Bilanz neue Höchststände oberhalb von 5 Milliarden Euro erreichen. Und natürlich wird auch die Negativzinspolitik der EZB ebenfalls fortgesetzt werden. Gleichzeitig hat die US-Notenbank Fed in den letzten Monaten den Ausstieg aus der Zinswende verbal vorbereitet. Bereits beim Mini-Aktiencrash vor Weihnachten hatten die Märkte die Fed zum Kurswechsel gezwungen. Nun erwartet der Markt eine erste Zinssenkung Ende Juli. Insgesamt ist der Währungskrieg in vollem Gang und Donald Trump wird nicht müde, einen schwächeren Dollar zu fordern, um der amerikanischen Wirtschaft einen Export-Vorteil zu verschaffen und das enorme Handelsdefizit zumindest ansatzweise zu reduzieren.

Billiges Geld treibt den Goldpreis nach oben

Damit geht die unendliche Geschichte hoch manipulierter Finanzmärkte weiter. Die Notenbanken werden weltweit auch weiterhin beliebig billiges Geld zur Verfügung stellen sowie Aktien und Unternehmensanleihen aufkaufen. Verlierer sind die Arbeiter, Sparer und unsere Gesellschaft.

Der Goldpreis hat all das mit einem gewaltigen Sprung nach oben quittiert. Nach einer sechs Jahre langen Bodenbildung, und zahlreichen Rücksetzern an der massiven Widerstandszone 1.350–1.375 Dollar, gelang im Juni der Ausbruch nach oben. Dabei dürfte das dabei erzielte Hoch bei 1.438 Dollar nur ein Zwischenhoch gewesen sein. Gut möglich, dass der Goldpreis bis zum Fed-Zinsentscheid am 31. Juli den erfolgreichen Ausbruch zunächst einmal konsolidieren und korrigieren wird. Entweder findet diese Konsolidierung auf hohem Niveau um 1.400 Dollar statt, oder aber die schwachen Hände werden bei einem Test der ehemaligen Widerstandszone 1.350–1.375 Dollar rechtzeitig vor dem nächsten Anstieg noch abgeworfen. In jedem Fall hat der Befreiungsschlag am Goldmarkt ein neues Kapitel aufgeschlagen und ein Mindestkursziel bei 1.525 Dollar aktiviert. Hier begann das große Dilemma am Goldmarkt im Frühjahr 2013. Damals prallten die Goldkurse dreimal von dieser Marke deutlich nach oben ab. Beim vierten Mal hielt die Unterstützung nicht mehr, es kam zum großen Crash und in der Folge zum Tiefpunkt bei 1.045 Dollar.

Silber im Vergleich zu Gold sehr günstig

Heute, über sechs Jahr später, hat der Edelmetallsektor eine tiefe und lange Talsohle durchschritten. Mit dem erfolgreichen Ausbruch steht die Ampeln sowohl bei Gold als auch bei Silber – und natürlich den Minenaktien – auf grün! Nach der zähen Bodenbildung könnte das Mindestkursziel bei 1.525 Dollar auch nur eine Durchgangsstation werden. Mittel- und längerfristig sind auch wesentlich höhere Goldkurse denkbar.

Auch wenn der Silberpreis bislang noch nicht richtig mitzieht werden höhere Goldpreise früher oder später auch bei Silber den Turbo zünden. Dann wird Silber den großen Rückstand relativ schnell aufholen und den Goldpreis outperformen. Mit Werten oberhalb von 93 bewegt sich das Gold/Silber-Ratio jedenfalls weit entfernt vom statistischen Mittel und liefert derzeit ein sehr günstiges Chance/Risiko-Verhältnis für Silberinvestments. Sollte der Goldpreis tatsächlich bis auf 1.525 Dollar ansteigen und das Gold/Silber-Ratio gleichzeitig bis auf realistische Werte um 80 fallen, würde Silber oberhalb von 19 Dollar notieren. Das entspräche beim derzeitigen Kurs einem Anstieg von über 25 Prozent.

Minenaktien in Lauerstellung

Noch vielversprechender aber sind die Gold- und Silberminenaktien, welche bekanntlich mit einem Hebel auf die Anstiege bei den Gold- und Silberpreisen reagieren. Der erfolgreiche Ausbruch aus der sechsjährigen Bodenbildung beim Goldpreis dürfte eine neue Hausse bei den Minenaktien gezündet haben. In vorangegangenen Bullenmärkten konnte der Barrons-Gold-Mining-Index (BGMI) meist um mindestens 600 Prozent deutlich ansteigen. Wie jeder Bullenmarkt enden dann auch die Minenaktien in einem parabolischen Anstieg und einer Kursverdopplung innerhalb kürzester Zeit. Davon sind wir derzeit aber noch meilenweit entfernt, denn bislang sind lediglich die ersten 30 Prozent dieses neuen Bullenmarktes gelaufen.

Neben dem charttechnischen Ausbruch beim HUI Goldbugs Index über die jahrelange Abwärtstrendlinie, liegen auch alle Anzeichen einer klassischen Minenhausse auf dem Tisch. Dabei laufen zunächst die großen Werte, dann die mittelgroßen Produzenten und erst am Ende starten die Junior- und Explorer-Aktien richtig durch. Der große Zusammenschluss von Newmont Gold und Goldcorp sowie die Übernahme von Randgold durch Barrick Gold war rückblickend das Startsignal. Mit der Kreation der beiden neuen Goldgiganten wurden alle anderen großen und mittleren Minenunternehmen massiv unter Druck gesetzt.

Viel Bewegung im Minensektor

Auch die Übernahme von Tahoe Resources durch Pan American Silver oder die Übernahme von Klondex Mines durch Hecla Mining sowie die strategische Partnerschaft zwischen Newcrest Mining und Lundin Gold zeigen, wieviel Bewegung in dem Sektor ist. Im Vorfeld der neuen Hausse sind bereits die risikoärmeren Royalty-Gesellschaften wie Wheaton Precious Metals, Royal Gold , Franco Nevada und Sandstorm Gold sehr gut gelaufen.

Nach der jahrelangen Baisse und der miserablen Kursentwicklung ist der Minensektor weiterhin günstig bewertet, während die meisten Unternehmen nun deutlich besser aufgestellt sind und ihre Bilanzen auf Vordermann gebracht haben. Bis zur Wiederentdeckung im Mainstream ist es noch ein langer Weg. Vor allem bei den hochqualitativen Produzenten sowie den Mid-Tiers im Development-Status sind die Chancen bei einem überschaubaren Risiko erheblich.

Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent
mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Mit seiner Firma Midas Touch Consulting hat sich Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Seit dem 1.April 2019 ist Grummes auch Chefredakteur des Edelmetall-Informationsdienstes Cashkurs*Gold.

www.midastouch-consulting.com

www.cashkurs-gold.de

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