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konnichiwa*, rendite *Hallo

Foto: LoulouVonGlup / iStock
Als besonders dynamische Anlageregion ist Japan nicht gerade bekannt. Vielmehr scheint die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt durch Stagnation geprägt. Das ist jedoch nur ein ziemlich unvollständiges Bild der vielsdeitigen Wirtschaft Nippons – denn im Land des Lächelns kann durchaus das Anlageglück winken. ETFs helfen beim Investieren.

Eine überalterte Bevölkerung, ein eher geringes Wachstumstempo und eine hohe Staatverschuldung – beim oberflächlichen Blick auf die japanische Volkswirtschaft scheint nur wenig für das Land der aufgehenden Sonne als besonders attraktive Anlageregion zu sprechen. Doch gerade in Japan – einem Land, dem es wie kaum einem anderen auf der Welt gelingt, scheinbare Widersprüche auf meisterhafte Weise zu einer eigenen, unverwechselbaren (Wirtschafts-)Kultur zu vereinen – lohnt es sich immer, genauer hinzuschauen und auf die Datails zu achten. Denn insbesondere mit dem Blick des Anlegers sieht dann Manches vielleicht doch etwas anders aus, als es zunächst den Anschein hatte.

LABOR DES DEMOGRAFISCHEN WANDELS

Wie kaum ein anderes Land hat Japan mit der Überalterung seiner Bevölkerung zu kämpfen und kann aus diesem Grund als Entwicklungslabor des demografischen Wandels gelten. Mit rund 47 Jahren liegt das Durchschnittsalter der Bevölkerung fast 10 Jahre über dem der USA. Auch die Fertilitätsrate, also die Zahl der statistisch geborenen Kinder pro Frau, liegt mit 1,44 deutlich unter dem, sich auf einem historischen Tiefstand befindenden, Wert in den USA von 1,80. Dies kreiert eine Vielzahl von Problemen und Herausforderungen, die das Land meistern muss und will. Der Arbeitsmarkt ist praktisch leergefegt und viele Hochbetagte stehen noch voll im Erwerbsleben – was kein Nachteil sein muss. Ganz im Gegenteil, denn noch mehr als anderswo in Asien werden in Japan Erfahrung und Alter großer Respekt entgegengebracht.

Zu diesen Hochbetagten gehört Makoto Iwai, der mit nur wenigen Mitarbeitern hochspezialisierte Bauteile für den Einsatz in den Schwingungsdämpfern des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen fertigt – auf historischen Maschinen. Die geforderte Präzision kann mit industrieller Fertigung nicht erzielt werden und daher sind Iwais Feingefühl, und Erfahrung unverändert gefragt, damit Japans Hightech-Züge auch weiterhin zuverlässig das Land durcheilen können – mit einer durchschnittlichen Verspätung von 54 Sekunden. Auch die dünnsten und damit „schmerzfreien“ Injektionsnadeln der Welt mit Durchmessern zwischen 0,2 mm und 0,18 mm entstehen nicht mit Roboterfertigung, sondern in dem Kleinbetrieb Okano Kogyo in einem Hinterhof in Tokio. Das Geheimnis ist eine spezielle Fertigungstechnik, bei der die Nadeln so präzise gefaltet werden, dass keine Flüssigkeit austritt. Eine Standardnadel misst 0,4 mm und ist damit fast doppelt so dick wie die von Okano Kogyo.

EINZIGARTIGE WIRTSCHAFTSKULTUR

Vor allem jungen Diabetespatienten kann mit den schmerzfreien Nadeln die Angst vor Injektionen genommen werden. Masayuki Okano, der Chef von Okano Kogyo, hat angekündigt 2020 in den Ruhestand gehen zu wollen – dann wäre er 87. Einen Nachfolger hat er nicht und auch seine Mitarbeiter werden ihm in den Ruhestand folgen, denn sie alle haben die Sechzig bereits überschritten. Die gute Nachricht für schmerzempfindliche Kinder ist aber, dass Okano seinen patentierten Fertigungsprozess und seine Firmengeheimnisse an seinen bisherigen Partner, den Medizintechnikhersteller Terumo – ein Unternehmen mit 4,5 Mrd. Euro Umsatz und 23 000 Beschäftigten – weitergegeben hat. Kooperationen derart asymmetrischer Partner sind in anderen Ländern kaum vorstellbar und zeigen deutlich, wie einzigartig Japans Industriekultur ist.

Auch Atsushi Miura steht noch voll im Berufsleben. Der 85-jährige Gründer und Chefentwickler der in Osaka ansässigen Audiomanufaktur Air Tight genießt mit seinen edlen, in traditioneller Röhrentechnik gebauten Verstärkern weltweit einen nahezu legendären Ruf unter den Freunden des guten Klangs. Die wirtschaftliche Bedeutung seines Unternehmens ist natürlich winzig, sein Beispiel steht aber für zwei wichtige Faktoren, die für Japans Zukunft entscheidend sein können: Zum einen hat er sein Unternehmen 1986 als bereits Über-50-Jähriger gegründet und zum anderen ist ihm, ebenso wie anderen legendären Entwicklern der High-End-Audio-Industrie wie Yoshiaki Sugano (Koetsu), Ken Shindo (Shindo) oder Hiroyasu Kondo (Kondo), der Generationswechsel geglückt.

ABENOMICS – MACHT JAPAN ERNST?

Natürlich hat auch die Regierung die wirtschaftlichen Herausforderungen längst erkannt und auf sie reagiert. Zu den unter dem Begriff „Abenomics“ bekannten Maßnahmenpaketen des seit 2012 amtierenden Ministerpräsidenten Shinzō Abe gehören neben einer Politik des billigen Geldes und der Konjunkturprogramme auch Reformen und Deregulierungsmaßnahmen. So wurden unter anderem Maßnahmen zur leichteren Integration von Frauen in das Berufsleben ergriffen und Hürden, die den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte behindern, abgebaut – eine Maßnahme, die im traditionell immigrationsskeptischen Japan zeigt, wie ernst es der Politik ist. Zwar wird immer wieder kritisiert, dass diese Maßnahmen nicht weit genug gehen, dass sie überhaupt durchgeführt werden, ist dennoch ein Plus.

Wie viele Regierungen und Verwaltungen setzt auch das Kabinett Abe auf Infrastrukturmaßnahmen – eine durchaus problematische Vorgehensweise, weil in dieser Sektor ohnehin von starkem Arbeitskräftemangel geprägt ist. Da ist es vielleicht ein Vorteil, dass Tokio die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 auch mit dem Argument möglichst geringer infrastruktureller Eingriffe gewonnen hat. Es wird also nicht wieder zu einem ähnlichen Kraftakt kommen wie dem Bau des Schnellverkehrszugs Shinkansen, der 1964, im Jahr der letzten olympischen Spiele im Tokio, auf ein vom normalen Zugverkehr separiertes Schienennetz gestellt wurde. Dass Japan hier Außerordentliche zu leisten vermag, zeigt nicht nur der Shinkansen, sondern auch der Flughafen Kansai in der Nähe von Osaka – nach Ansicht der Vereinigung amerikanischer Bauingenieure eine der wichtigsten Ingenieurleistungen der Moderne. Das Aufschütten der künstlichen Insel vor der Küste dauerte nur zwei Jahre.

Von den Maßnahmen, die für die Olympiade ergriffen werden, werden nicht nur die Japaner selbst profitieren, sondern vor allem die geschätzt 13 Millionen zusätzliche Touristen, die zu den Spielen im Land erwartet werden. Bei einem Touristenaufkommen von 27 Millionen Besuchern 2017 und einer steigenden Bedeutung der Tourismusindustrie werden die Spiele dennoch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor sein.

WORAUF ES FÜR ANLEGER ANKOMMT

Ein ganz wesentlicher Aspekt wird gerade beim Blick auf Japan oftmals vergessen. Ganz gleich, welcher Eindruck durch die Berichterstattung oder das Studieren von Kennzahlen auch entstehen mag – Anleger investieren nicht in eine Volkswirtschaft als Ganzes, sondern in Geschäftsmodelle, Unternehmen, Aktien, Indizes. Und da wissen die beiden wichtigsten japanischen Aktienindizes – der Nikkei mit 225 und der breiter gefasste Topix mit seinen mehr als 2000 Indexmitgliedern – durchaus zu überzeugen: Beim längerfristigen Performancevergleich gibt es einen klaren, möglicherweise unerwarteten Sieger. Mit einem klaren Vorsprung geht das Blue-Chip-Flaggschif Japans, der Nikkei 225 durchs Ziel. 52 Prozent hat er in den verganegenen fünf Jahren zugelegt, während der Topix ein ansehnliches Plus von 40 Prozent verbuchen kann. Der DAX landet mit einem Wertzuwachs von 24 Prozent auf dem letzten Platz.

Auch beim 3-Jahres-Vergleich liegen die Japaner vorn, wenn auch mit geringerem Vorsprung. Selbst wenn man nur die vergangenen 12 Monate betrachtet, in denen Japan von schweren Naturkatastrophen heimgesucht wurde, gelingt es dem Nikkei, den DAX abzuhängen und schwarze Zahlen zu schreiben, während DAX und Topix im Minus liegen.

Offensichtlich unterschätzt man ein Land wie Japan, wenn man nur volkswirtschaftliche Kennzahlen zu Rate zieht. Es bestehen jedenfalls gengend Gründe, um mit kostengünstigen ETFs in die japanische Wirtschaft zu investieren. Vielleicht heißt es dann tatsächlich: „Konnichiwa, Rendite“ im Portfolio.

ETFS AUF DEN JAPANISCHEN AKTIENMARKT

Basiswert Emittent WKN Replikationsmethode TER p.a. Fondsvermögen in Mio. Euro
Xtrackers Nikkei 225 UCITS ETF Deutsche Bank DBX0NJ physisch 0,09 % 929
ComStage Nikkei 225 UCITS ETF Commerzbank ETF020 synthetisch 0,25 % 50
iShares Nikkei 225 UCITS ETF BlackRock A0YEDQ physisch 0,48 % 219
Lyxor Core MSCI UCITS ETFJapan Société Générale LYX0YC physisch 0,12 % 103