Select Page

Schätze 2018

Foto: stqcb / iStock
Auf die richtigen Werte setzen

Rohstoffe durchliefen 2017 ein Wechselbad der Gefühle. Während die meisten Industrie- und Edelmetalle sowie Öl teils deutlich teurer wurden, gaben viele Agrarrohstoffe nach. Wer jetzt auf die richtigen Werte setzt, könnte sich vielleicht in 2018 auf überdurchschnittliche Gewinne freuen.

Die Saat für ein weiteres starkes Rohstoffjahr scheint gesät: Die Wirtschaft befindet sich rund um die Welt in einem fast synchronen Aufschwung und Grundstoffe notieren im Verhältnis zu Aktien auf sehr niedrigem Niveau. Geht es nach den Experten, dürfte die im Frühjahr 2016 begonnene Renaissance der Rohstoffe auch im laufenden Jahr weitergehen. „Rohstoffe sind die Basis unserer Wirtschaft und Gesellschaft. 2018 könnte Uran die große Überraschung werden und Kupfer völlig durchstarten“, sagt etwa Jochen Staiger, Gründer und Vorstand der Swiss Resource Capital AG.

Beispiel Gold: Der Preis des gelben Edelmetalls dürfte 2018 seinen vor zwei Jahren begonnenen Anstieg fortsetzen. „Die bestimmenden Faktoren bleiben eine bei nahezu allen wichtigen Zentralbanken außerordentlich lockere Geldpolitik und in der Folge weiterhin sehr niedrige bis negative Realzinsen“, glaubt Eugen Weinberg, der das Rohstoff-Research der Commerzbank verantwortet. Auch die zahlreichen geopolitischen Krisenherde dürften das ganze Jahr über ein ständiger Begleiter sein, so der Experte. Zudem könne eine Korrektur der hochbewerteten US-Aktienmärkte drohen – wovon Gold profitieren würde.

Auf mittlere Sicht dürfte die rückläufige Produktion dem Goldpreis Auftrieb verleihen. In den 70er- bis 90er Jahren wurde in jedem Jahrzehnt mindestens ein Vorkommen von rund 50 Millionen Unzen Gold entdeckt. Hinzu kamen jeweils mindestens zehn Funde im Umfang von 30 Millionen Unzen sowie zahllose kleinere Entdeckungen. Heute gibt es hingegen kaum noch Goldfunde in diesen Größenordnungen.

Rohstoffexperte Weinberg sieht den Preis zum Jahresende bei 1.350 Dollar je Feinunze. Charttechnisch orientierte Analysten gehen noch weiter. „Steigt der Goldpreis im Jahresverlauf über 1.375 Dollar an, sehe ich die langfristige Bodenbildung als abgeschlossen an. Ein erstes Aufwärtsziel befindet sich in diesem Fall bei 1.522 Dollar“, erwartet Bastian Galuschka, stellvertretender Chefredakteur bei GodmodeTrader.

Schmierstoff der Wirtschaft

Auch für Öl stehen die Ampeln auf grün. Die Organisation erdölexportierender Länder Opec einigte sich Ende November auf eine weitere Produktionskürzung, die bis Ende dieses Jahres bestehen soll. Das Kartell beschloss zusammen mit Russland eine Drosselung des Angebots in Höhe von 1,8 Millionen Fas pro Tag – eine erhebliche Menge, wenn man sich vor Augen hält, dass die Opec-Staaten und Russland zusammen rund 40 Prozent des weltweiten Rohöls fördern.

Öl-Analyst Gabriele Sorbara von Williams Capital Group zeigt sich entsprechend optimistisch: „Mitte des dritten Quartals 2017 gelang der Durchbruch und die Rally für den Sektor. Zusammen mit dieser Dynamik gehen wir 2018 mit großer Zuversicht in Richtung eines Turnaround für die Branche.“

Uran: Ende der Talfahrt?

Buchstäblich heiß geht es im Uransektor zu, Anfang November vergangenen Jahres sorgte Branchenriese Cameco für Aufsehen. Weil die Produktion vor dem Hintergrund der am Boden liegenden Uran-Preise unwirtschaftlich erschien, kündigten die Kanadier an, ihre McArthur River-Mine für zehn Monate zu schließen. Das entspricht rund 15 Millionen Pfund, die vom Markt verschwinden werden. McArthur River ist die größte Uran-Mine der Welt, die für mehr als ein Zehntel des weltweiten Angebotes steht. Doch damit nicht genug: Kurz darauf legte mit Kazatomprom der größte Uranförderer der Welt nach. Die Kasachen kürzen ihre Uranproduktion seit Beginn dieses Jahres drei Jahre lang um 20 Prozent – was einem Wegfall von 11.000 Tonnen Uran gleichkommt.

 

 

Beobachter werten das als größte Unterstützung für den Sektor, seit der Uranpreis mit der Fukushima-Katastrophe 2011 auf Talfahrt ging. Das Analysehaus Cantor Fitzgerald rechnet ab dem Jahr 2020 erstmals mit einer Angebotslücke, die dem Uranpreis kräftig Auftrieb geben würde. Bis dahin sind es zwar noch zwei Jahre, doch sehen Experten gute Chancen, dass die Notierungen schon vorher ansteigen. Denn nur bei einem deutlich höheren Preisniveau würden die in der Entwicklung befindlichen Projekte überhaupt bis zur Produktionsreife gebracht. Viele der Uran-Projekte in Afrika mit vergleichsweise großen Vorkommen bei niedrigen Mineralisierungsgraden benötigen laut Cantor Fitzgerald gar einen Uran-Preis von 80 Dollar je Pfund. Zum Vergleich: Im Januar kostete ein Pfund 24 Dollar.

INTERESSANTE DIVIDENDENWERTE IM ROHSTOFFBEREICH

Aktie WKN Dividende Kurs
BHP Billiton 908101 4,20% 17,58
Caledonia Mining A2DY13 3,86% 6,17
Royal Dutch A0ER6S 5,63% 28,72
Kurse in Euro; Quelle: OnVista; Stand: 05.01.18
Zink: chronische Unterversorgung

Seit Ende 2015 hatte sich der Zinkpreis von 1.500 Dollar je Tonne bis Anfang dieses Jahres auf knapp über 3.300 Dollar je Tonne mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr sind die Zinklager deutlich auf ein Mehrjahrestief geschrumpft. Laut dem ResearchhausWood Mackenzie dürfte das Angebotsdefizit allein im vergangenen Jahr bei rund 500 Kilotonnen gelegen haben.

Branchenexperten rechnen für die kommenden Jahre zwar wieder mit einem steigenden Zink-Angebot, die Notierungen dürften allerdings kaum nachgeben. So rechnen die Analysten von GMP Securities noch im Jahr 2020 mit einem Preisniveau von 2.600 Dollar je Tonne, während die Commerzbank in diesem Jahr eine Unterversorgung von gut 220.000 Tonnen erwartet. Preisstützend für Zink sind auch Chinas deutlich gestiegene Importe.

Kobalt: umstritten, aber unverzichtbar

Mit einem Preisanstieg von rund 120 Prozent zählt Kobalt zu den renditestärksten Rohstoffen des vergangenen Jahres. Das bläuliche Metall ist ein wichtiger Bestandteil von Lithium-Ionen-Akkus und damit ein unentbehrlicher Bestandteil für die Entwicklung der E-Mobilität. Gleichwohl sind Smartphones das Haupteinsatzgebiet von Kobalt – ein riesiger Markt angesichts von mehr als drei Milliarden Geräten, die aktuell rund um den Globus verwendet werden.

Zwei Drittel der weltweit geförderten 120.000 Tonnen Kobalt werden in der Demokratischen Republik Kongo gefördert, was nicht zuletzt mit Verweis auf die teilweise noch immer vorhandene Kinderarbeit sehr umstritten ist. Zudem wird Kobalt nur als Bei-Produkt gewonnen, lediglich ein Prozent der weltweiten Förderung stammt aus reinen Kobalt-Minen. Beide Faktoren dürften das Angebot kurz- bis mittelfristig prägen – und tendenziell für weiter steigende Preise sorgen.

Lithium: unter Strom

„Der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts kommt gerade erst in Fahrt“, glaubt Jochen Staiger, von der Swiss Resource Capital AG. Wenigen Anbietern stehen viele Nachfrager gegenüber, so der langjährige Rohstoffexperte. Gleichzeitig wird der im Zuge der voranschreitenden Entwicklung der E-Mobilität steigende Bedarf für Lithium-Ionen-Akkus sowie bei dezentralen Energiespeichern die Lithium-Nachfrage in den kommenden fünf Jahren um mindestens 100 Prozent ansteigen lassen.

„Dabei dürften Power Banks den größten Nachfragezuwachs generieren und selbst die beiden anderen Bereiche in den Schatten stellen“, ist Staiger überzeugt. Dezentrale Energiespeicher werden überall dort eingesetzt, wo Strom mittels Photovoltaik- oder Windkraftanlagen erzeugt und zum Eigenbedarf genutzt werden soll.

Üppige Dividenden bei Rohstoffriesen

Wer auf einen weiteren Preisanstieg der Rohstoffe setzen möchte, sollte sich Minenaktien genauer ansehen. Viele Unternehmen sind noch günstig bewertet und locken mit attraktiven Ausschüttungen. Hinzu kommt der Hebeleffekt: Steigen die Preise, weiten sich die Gewinnmargen überproportional aus und der Wert der noch abbaubaren Ressourcen erhöht sich. Jedoch sollten sich Anleger gerade bei so genannten Explorern, die noch nicht produzieren, der erhöhten Risiken bewusst sein.

Wer überdurchschnittliche Dividenden bei überschaubarem Risiko sucht, wird bei den Branchen-Boliden fündig. Das weltgrößte Bergbauunternehmen ist der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton. Nach einer Durststrecke 2015/16 ist die Gesellschaft wieder zurück in der Gewinnspur: Im Geschäftsjahr erwirtschaftete man einen Gewinn von 6,7 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: In den zwölf Monaten zuvor waren es nur 1,2 Milliarden Dollar – so wenig wie seit 2001 nicht mehr. Gleichwohl wollen die Australier bis Ende kommenden Jahres, nach zwölf Milliarden Dollar in den vergangenen Jahren, weitere zwei Milliarden Dollar Kosten sparen. Analysten schätzen den Umsatz im laufenden Jahr von BHP auf 39,2 Milliarden Dollar. Privatanleger profitieren über steigende Dividenden von der positiven Entwicklung. Im letzten Geschäftsjahr lag die Ausschüttung bei 0,83 Dollar – was einer Jahresrendite von rund vier Prozent entspricht.

Caledonia Mining legt seinen Fokus auf den Goldabbau im südlichen Afrika. Hauptvermögenswert ist ein Anteil von 49 Prozent an der Blanket Mine in Simbabwe, die über 50.000 Unzen Gold in 2016 produziert hat. Der Bau einer Mine der neuesten Generation soll die Produktion bis 2021 auf 80.000 Unzen pro Jahr erhöhen. Die Gesellschaft mit Sitz in Jersey schüttet eine Quartalsdividende von 6,875 US Dollar-Cents aus, immerhin eine stattliche Rendite von rund 3,8 Prozent pro Jahr.

Royal Dutch Shell wiederum zählt zu den größten Mineralöl- und Erdgaskonzernen weltweit und ist in mehr als 140 Ländern aktiv. 2016 erwirtschaftete der britisch-niederländische Konzern einen Umsatz von rund 233 Milliarden Euro. Anteilseigner dürfen sich über eine jährliche Dividende von 5,6 Prozent freuen.

INTERESSANTE ROYALTIES-UNTERNEHMEN

Aktie WKN Kurs
Franco Nevada A0M8PX 64,50
Osisko Gold Royalties A115K2 9,56
Adventus Zinc A2DMGG 0,57
Kurse in Euro; Quelle: OnVista; Stand: 05.01.18
Lizenz zum Gewinnen

Besonderen Charme bergen Firmen, die von der Goldförderung profitieren, ohne die Risiken des Bergbaus einzugehen. So genannte Royalty-Unternehmen machen das möglich. Royalties sind Förderabgaben bzw. Lizenzeinnahmen, mit denen sich diese Firmen das Recht sichern, einen Teil der Produktion eines Bergbaubetriebs zu erhalten, ohne eigene Bergbauanlagen betreiben zu müssen. Die Höhe kann an der Produktion oder anderen Faktoren wie Umsatz oder Gewinn festgelegt werden.

Zu den Pionieren dieses Geschäftsmodells zählt die kanadische Franco Nevada, die bereits 1985 in Lizenzen von Edelmetallvorkommen investierte. Gründer und Präsident Pierre Lassonde verfügt mittlerweile über mehr als vierzig Jahre Erfahrung im Minensektor. Franco Nevada bewirtschaftet ein Portfolio mit 340 Förderlizenzen, wobei die wichtigsten Vorkommen in Lateinamerika sind.

Osisko Gold Royalties ist ein mittelgroßes Edelmetallunternehmen, das sich mit seinen Lizenzeinnahmen auf Nordamerika und Kanada fokussiert. Kernstück des Konzerns ist die Canadian Malartic-Goldmine. Hier handelte das Management eine Abgabe auf die zukünftige Goldproduktion aus, die für je 1.000 geförderte Unzen Gold 50 Unzen in die Osisko-Kasse spült – ohne Kosten. Für 2018 sind 30.500 Unzen zu erwarten. Hinzu kommt die Eléonore-Goldmine von Goldcorp. Dort erhält Osisko so lange zwei Prozent der Goldförderung, bis insgesamt drei Millionen Unzen produziert sind.

Adventus Zinc ist zwar noch ein junges Unternehmen – der IPO war Anfang 2017 – kann aber heute bereits zahlreiche institutionelle, davon sehr bedeutende Investoren wie beispielsweise Altius Minerals, zu ihren Anteilseignern zählen. Das kanadische Royalties-Unternehmen beteiligt sich sowohl an Zink-Explorationsprojekten als auch an Vorhaben der Branchenführer, derzeit in Ecuador, Neufundland und Irland. Das Management rund um Vorstandschef Christian Kargl-Simard peilt weitere Partnerschaften wie zuletzt mit Salazar Resources (WKN A0MMLD) in Ecuador an und sieht sich mittelfristig als mittelgroßer Player bei Zinkprojekten weltweit.

Edle Depotbeimischung

Goldminenaktien verhalten sich wie ein Hebelprodukt auf den Preis des gelben Edelmetalls. Die deutsch-kanadische Golden Dawn Minerals beispielsweise betreibt mehrere aussichtsreiche Explorationsprojekte grenznahen Bereich zum US- Bundesstaat Washington. Die Claims werden von den Liegenschaften der Wettbewerber Grizzly Discoveries und vor allem dessen Explorationspartners dem Branchenriesen Kinross Gold umschlossen. Golden Dawn Minerals könnte daher auch mehr und mehr zum Übernahmekandidaten werden – zumal es für Kinross Gold kein kostspieliges Unterfangen wäre, einen Aufschlag auf den aktuellen Börsenwert von knapp 28 Millionen Dollar zu zahlen. Beobachtern zufolge stehen die Chancen nicht schlecht, zumal sich Kinross Gold erst im vorvergangenen Jahr bereits 27.346 Hektar in direkter Nachbarschaft der Projekte von Golden Dawn Minerals sicherte. Auch abseits aller Übernahmespekulationen läuft das Geschäft rund: Zuletzt sicherte sich GOM eine weitere Liegenschaft mit nachgewiesenen 1,5 Millionen Unzen Gold, 15 Millionen Unzen Silber und einer nicht unerheblichen Menge an Zink und Blei. Daneben will das deutsch-kanadische Management-Team um Vorstandschef Wolf Wiese noch im ersten Halbjahr 2018 die Produktion auf seinem Greenwood-Projekt in British Columbia aufnehmen. Erstes Ziel ist die historische Lexington Mine, die in den vergangenen 12 Wochen entwässert wurde. Zudem sollen auch in der historischen Golden Crown-Mine die Förderbänder anlaufen. Bis zum ersten Quartal kommenden Jahres avisiert Golden Dawn eine tägliche Produktionskapazität von rund 400 Tonnen Gestein.

Strahlende Anlagen

Uranium Energy wartet mit produktionsbereiten Projekten auf eine Erholung des Uranpreises – zu Kosten, die zu den niedrigsten der Branche gehören. Die Texaner sitzen auf einer Ressource von 22 Millionen Pfund und treiben die strategische Ausrichtung mit einzelnen Explorationsarbeiten, dem Einholen behördlicher Genehmigungen und dem Zukauf lukrativer Objekte konsequent weiter voran. Im Zuge des Portfolio-Ausbaus hat sich Uranium Energy das Alto Parana- Titanprojekt in Paraguay samt Beteiligung von 1,5 Prozent an den späteren Erlösen gesichert, das mehr als 70.000 Hektar Land sowie fünf Minengenehmigungen umfasst. Szenekenner gehen davon aus, dass Uranium Energy die Titan-Sparte im Rahmen eines Spin-Offs früher oder später als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen wird.

Goviex Uranium steht unter der Aufsicht von Govind Friedland, dem Sohn von Investmentlegende Robert Friedland. Govind Friedland, der mit Turquoise Hill eine der weltweit größten Kupferlagerstätten in der Mongolei entdeckte, möchte nun zeigen, dass er es auch mit Uran kann. Größter Aktionär ist mit einem 25-pozentigen Aktienanteil die 420 Millionen Dollar schwere Uranproduktionsfirma Denison Mines, zu den weiteren Großaktionären gehören Toshiba und mit Cameco der zweitgrößte Uranproduzent der Welt. Dass sich solch eine Aktionärsstruktur für einen 100 Millionen Dollar kleinen Uran-Explorer zusammengefunden hat, gilt in der Branche als außergewöhnlich. Die nachgewiesenen Vorkommen liegen bisher bei 110.76 Millionen Pfund des Strahlmaterials – Tendenz stark steigend.

INTERESSANTE PRODUZENTEN & EXPLORER

Aktie WKN Kurs
Golden Dawn Minerals A1XBWD 0,18
Goviex Uranium A12BL3 0,17
Uranium Energy A0JDRR 1,63
Kurse in Euro; Quelle: OnVista; Stand: 05.01.18