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Überholspur in die Zukunft

Foto: agsandrew / iStock
Künstliche Intelligenz bringt die Digitalisierung in jeden einzelnen Lebensbereich – und die Industrie 4.0 maßgeblich in Schwung. Zwar bleiben manche Fragen offen, doch an diesem Megatrend führt kein Weg vorbei – weder für die Industrie noch für Anleger.

Was früher Science Fiction war, ist längst Wirklichkeit geworden. Ridley Scotts Meisterwerk „Blade Runner“ von 1982 spielt im Jahr 2019. Sein Thema: Mensch gegen Maschine – in Form von menschenähnlichen „Replikanten“. Auch wenn solche Roboter hoffentlich nie ihr Unwesen treiben, steht fest, dass Künstliche Intelligenz, kurz KI, unser Leben maßgeblich beeinflussen wird. Google-Vorstandschef Sundar Pichai stellt künstliche Intelligenz gar auf eine Stufe mit Errungenschaften wie dem Feuer oder der Elektrizität.

Der aktuelle KI-Kosmos setzt sich in erster Linie aus drei Bereichen zusammen. Im Rahmen des Machine Learning lernen Programme aus vorhandenen Daten, wenden dieses Wissen auf neue Daten an oder nutzen es zur Prognose. Der Bereich Robotik beschäftigt sich mit der Entwicklung und Schulung weitgehend autonom arbeitender Maschinen. Robodogs etwa sollen künftig Pakete zum Kunden bringen. Der Hannoveraner Automobilzulieferer Continental hat dazu ein System von autonomen Lieferfahrzeugen entwickelt.

Darüber hinaus sollen Roboter durch intensives Lernen dazu gebracht werden, sich selbst zu warten, zu vernetzen und mit einem gewissen Maß an Selbstbewusstsein zu handeln. Neuronale Netze wiederum sollen die Funktionsweise eines menschlichen Gehirns nachahmen. Ein aktuelles Beispiel ist ein Algorithmus aus der Astrophysik, mit dem Informatiker der TU Darmstadt das menschliche Gehirn simulieren. Ihr Computermodell könnte zukünftig Neurochirurgen unterstützen und die Behandlung von Schlaganfallpatienten verbessern.

Selbstlernende Algorithmen
Während sich die Entwicklung der künstliche Intelligenz In den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf die Weiterentwicklung der sprachlichen, mathematischen und logischen Fähigkeiten konzentriert hat, schließt die nächste Welle die Entwicklung der emotionalen Intelligenz mit ein. Möglich werden diese Technologien vor allem dank des rasanten Fortschritts in der Rechenleistung.

Die immense Menge an Daten, die von der zunehmend digitalisierten Wirtschaft produziert wird, wächst jährlich um 40 Prozent und wird bis 2020 voraussichtlich 44 Zettabyte erreichen. Ein Zettabyte ist eine 1 mit 21 Nullen und entspricht einer Milliarde Terabytes.

Künstliche Intelligenz hebt die Industrie 4.0 auf eine gänzlich neue Stufe. Experten zufolge wird es in den kommenden zehn Jahren beispielsweise um die Frage gehen: Wie lassen sich nahezu autonome, sich selbst steuernden Fabriken entwickeln? KI hilft dann nicht nur, Fertigungsabläufe und Kapazitäten besser zu planen, sondern auch Zusammenhänge zwischen Maschinen und ihrer Umgebung zu begreifen sowie Fehler und drohende Ausfälle im Voraus vorherzusagen.

Viele der dafür notwendigen Technologien stammen nicht aus der Industrie, sondern aus dem Konsumentenbereich von Anbietern wie Amazon, Google, Facebook oder Alibaba. Deren intelligente Systeme machen sich Firmen schon jetzt in der Produktion zunutze – etwa in Form neuer Automatisierungs-Techniken. So nutzen die neuesten Transportsysteme Lidar-Sensoren und Kameras als künstliche Augen, mit denen sie ihre Umwelt erfassen. Selbstlernende Algorithmen scannen das Gebiet ab, in dem sie sich bewegen. Sie benötigen nur noch die Information, dass sie von A nach B fahren sollen – auf welcher Route sie das tun und wie sie um mögliche Hindernisse navigieren, berechnen sie selbst.

Im Automobilsektor wird KI vor allem für den Antrieb autonomer Autos eingesetzt. Doch bleiben Fragen offen. „Momentan sind die Bild- und Situationsauswertung das größte Problem“, sagt Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Gesellschaft beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Spektakuläre Berichte aus den USA zeigen, dass es genau hier noch Defizite gibt. Falsche Entscheidungen der Technologie ziehen schwere Unfälle nach sich. Ungelöst ist auch eine Frage, die sich Ingenieure und Entwickler immer wieder stellen: Wie soll sich ein Fahrzeug verhalten, wenn ein Unfall nicht mehr zu verhindern ist? Soll er weiterfahren und dabei ein älteres Ehepaar überfahren oder soll es die Spur wechseln, wobei es eine Mutter mit Kinderwagen erfassen würde?

Diagnose von Dr. Digital
Einen immer höheren Stellenwert erhält künstliche Intelligenz auch in der Medizin von morgen. Schon heute liefern diagnostische Geräte immense Datenmengen. Während Ärzten bei der manuellen Auswertung immer wieder Fehler unterlaufen, sind KI-Tools in einigen Fällen bereits besser als ihre Vorbilder aus Fleisch und Blut. Der VDI nennt ein Beispiel: Dermatologen untersuchten im Frühjahr, wie gut sich Melanome, also aggressive Hautkrebs-Läsionen, von harmlosen Muttermalen unterscheiden lassen. Sie legten eine Datenbank mit Aufnahmen von 2.169 Melanomen an, um ihr KI-System zu „trainieren“.

In sämtlichen Fällen hatten Pathologen den Befund bestätigt. Hinzu kamen Bilder von 18.566 harmlosen Muttermalen. Anschließend traten 157 Hautärzte gegen den Algorithmus an. Von ihnen erzielten sieben bessere Ergebnisse als die Software, 14 waren in etwa gleich gut, aber 136 schnitten schlechter ab. Zwar ging es in der Studie nur darum, bösartige von gutartigen Veränderungen zu unterscheiden, aber „mit größeren Datenbanken als Basis des maschinellen Lernens sind den diagnostischen Möglichkeiten jedoch kaum Grenzen gesetzt“, resümiert der VDI. Unterdessen zeigten Forscher der Eötvös-Universität in Budapest, dass selbstlernende Algorithmen 90 Prozent aller Tumore in Mammographie-Aufnahmen richtig erkennen.

Das Geschäft mit der künstlichen Intelligenz wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit: Der erwartete Umsatz mit KI-Anwendungen dürfte laut des Datenanbieters Tractica im Jahr 2025 weltweit bei knapp 90 Milliarden Dollar liegen. Zum Vergleich: In diesem Jahr dürften geschätzte 11,3 Milliarden Dollar in diesem Bereich erwirtschaftet werden.

China mit Führungsanspruch
Deutschland hinkt bei der Künstlichen Intelligenz dramatisch hinterher, warnen Experten. Eine im VDE-Tec-Report 2019 veröffentlichte Umfrage sieht die Bundesrepublik weit entfernt von guten Ergebnissen bei diesem Kernthema für die Fabriken der Zukunft. Nur ein Prozent der 1300 befragten Unternehmen und Hochschulen attestiert Deutschland eine Vorreiterrolle bei KI. „Deutschland verliert den Anschluss“, bringt es auch der Verein Deutscher Ingenieure VDI auf den Punkt.

Als mit Abstand führend werden stattdessen die USA und China gesehen, gefolgt von Japan, Israel und Südkorea. 60 Prozent aller weltweiten Patentanmeldungen für KI kommen laut des Reports aus den USA, dicht gefolgt von China. Dem Reich der Mitte kommen dabei einzigartige Rahmenbedingungen zugute: 1,4 Milliarden Menschen, begrenzter Datenschutz, ein hoher technologischer Entwicklungsstand sowie eine Regierung, die diesen Sektor entschlossen fördern und ausbauen will. Erklärtes Ziel der politischen Führung in Peking ist es, China bis 2050 in allen maßgeblichen Technologien in die Weltspitze zu führen und damit unabhängig vom Know-how anderer Nationen zu machen.

Intelligente Renditen

Anlegern eröffnen sich im Zuge der digitalen Zeitenwende überdurchschnittliche Renditechancen. In diesem Zusammenhang wichtig zu wissen: Der größte Teil der Wertschöpfung entsteht nicht in Unternehmen, die KI-Technologien entwickeln, sondern in Unternehmen, die KI sinnvoll einsetzen. DieWirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers International prognostiziert, dass künstliche Intelligenz bis zum Jahr 2030 15,7 Billionen US-Dollar zur Weltwirtschaft beiträgt. „Es ist klar, dass bei solchen Effekten die Nachfrage nach KI-Anwendungen enorm hoch sein wird“, glaubt Volker Schulz, leitender Redakteur des im Bernecker Verlag erscheinenden „Aktionärsbrief“. „Wer sie liefert, wird ein signifikantes Wachstum generieren.“ Für Investoren sieht er darin „atemberaubende Chance“ – wenn sie auf das richtige Pferd setzen. „Viele werden scheitern, andere werden ihren Börsenwert aber vervielfachen“, resümiert der langjährige Marktkenner.

Anleger sollten sich trotz der enormen Wachstumsraten bewusst sein, dass viele dieser Unternehmen noch mit roten Zahlen operieren. Hinzu kommen in Relation zu Umsätzen und Gewinnen überdurchschnittlich hohe Bewertungen. „Werden Erwartungen nicht erfüllt, landet der Anleger schnell auf dem Boden der Tatsache“, gibt Schulz daher zu bedenken. Eine breite Streuung erscheint daher ratsam.

Für sinnvoll hält er börsennotierte Indexfonds wie den WisdomTree Artificial Intelligence ETF (WKN A2N7NJ). Darin enthalten sind lupenreine KI-Titel wie Cadence Design Systems, Synopsis, Pegasystems, Service Now oder Corelogic. Ebenfalls dem Thema gerecht wird der Xtrackers Artificial Intelligence and Big Data ETF der DWS (WKN A2N6LC). Wer aktiv verwaltete Fonds vorzieht, findet im Pictet-Robotics Fonds (WKN A141RB) eine attraktive Alternative. Der Anlagepool der Schweizer Investmentboutique gewann in den vergangen drei Jahren rund 70 Prozent an Wert.

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