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Zinsen ade Das Ende einer Ära ist nicht in Sicht: Zinsen werden niedrig bleiben

Foto: kontrast-fotodesign / iStock
Im Verständnis klassischer Wirtschaftswissenschaftler erfüllt der Zins eine wichtige Funktion als Allokationsmechanismus. Er dient der Risikomeessung und bietet eine Entscheidungshilfe bei Investmententscheidungen.

Seit Beginn der Finanzkrise 2007/08 und der dadurch ausgelösten Schuldenkrise hat sich eine Vertrauenskrise in der Europäischen Währungsunion entwickelt. Der Leitzins sank – von 4,5 Prozent kommend – auf null, und Hypothekenzinsen für den Hausbau mit einer Zinsbindung von 10 Jahren sanken von 5,43 Prozent auf bis zu 0,67 Prozent.

Standortbestimmung und die Rolle der EZB
Innerhalb des Wirtschaftskreislaufs stellt die Zentralbank Preisstabilität durch die Festsetzung der Leitzinsen sicher. Dies ist Teil ihres Mandats zur geldpolitischen Steuerung. Dieses Standardinstrument dient als Referenzwert für Kreditinstitute, wenn sie Kredite an Privathaushalte und Unternehmen vergeben.

Blicken wir nun auf den Leitzins der EZB, der aktuell bei –0,4 Prozent liegt und für Ende des Jahres sogar bei –0,5 Prozent prognostiziert wird, dann stellen wir fest, dass Europa neben Japan der einzige G7-Wirtschaftsraum mit negativen Zinsen ist und dies auch noch für einige Zeit bleiben wird.

Der Cocktail für den nachhaltig negativen Realzins
I. Gedämpfte Dynamik und schwache Endnachfrage
Vor dem schwierigen Hintergrund der verschärften Handels- und Technologiespannungen zwischen den USA und China sowie der Unsicherheit über den Brexit ist die globale Wachstumsdynamik im ersten Halbjahr 2019 schwach. Obwohl das Wachstum in den G7-Staaten zuletzt leicht überraschte, ist die Entwicklung in den Schwellen- und Entwicklungsländern schwächer als erwartet ausgefallen.
II. Schwacher globaler Handel
Das schleppende Ausgabeverhalten spiegelt sich auch im globalen Handel wider, der tendenziell intensiv mit Investitionsgütern und Gebrauchsgütern handelt. Das Wachstum des Handelsvolumens ging im ersten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,5 Prozent zurück, nachdem es im vierten Quartal 2018 unter 2 Prozent gesunken war. Die Abschwächung war insbesondere in den aufstrebenden asiatischen Ländern zu verzeichnen.
III. Gedämpfte Inflation
Im Einklang mit dem gedämpften Wachstum der Endnachfrage ist die Kerninflation in den Industrieländern unter die vorgegebenen Zielmarken gesunken und blieb in Europa sowie Japan weit darunter. Die Kerninflation ist auch in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern weiter unter den historischen Durchschnitt gefallen, abgesehen von einigen Fällen wie Argentinien, Türkei und Venezuela.

Ursachen Und Auswirkungen
Die Entscheidungsträger der EZB stellen fest, dass sich die anhaltenden globalen Unsicherheiten und die damit einhergehende Verlangsamung des Wirtschaftswachstum der Eurozone noch verstärken könnten. Die EZB ist bereit für zusätzliche Maßnahmen wie Zinssenkungen oder erneute Käufe von Vermögenswerten. Investoren und Ökonomen erwarten eine Wiederbelebung der quantitativen Locke rung (QE), noch bevor das laufende Jahr zu Ende geht.

Mario Draghi wird voraussichtlich als einziger EZB-Präsident in die Geschichtsbücher eingehen, der die Zinsen nie erhöht hat. Und die Aussichten für seine Nachfolgerin Christine Lagarde sind nicht besser.

Ausblick
Der IMF prognostiziert für 2019 ein globales Wachstum von 3,2 Prozent, das sich bis 2020 auf 3,5 Prozent leicht verbessert. An der Handelsfront spiegelt die Prognose, die im Mai 2019 erfolgte Erhöhung der US-Zölle auf chinesische Exporte in Höhe von 200 Milliarden Dollar von 10 Prozent auf 25 Prozent und die „Vergeltungsmaßnahmen“ Chinas wider. Die Herabstufungen der Wachstumsprognose für China und das aufstrebende Asien stehen weitgehend im Einklang mit den simulierten Auswirkungen der zunehmenden Handelsspannungen und den damit verbundenen negativen Vertrauenseffekten.

Das Wachstum in der Eurozone wird laut IMF bei 1,3 Prozent im Jahr 2019 und 1,6 Prozent im Jahr 2020 prognostiziert. Die Prognose für Deutschland, Europas größter Volkswirtschaft, wurde aufgrund einer schwächer als erwarteten Auslandsnachfrage, die auch die Investitionen belastet, fürs laufende Jahr leicht nach unten korrigiert.

Fazit
Das globale Wachstum bleibt weiterhin schleppend. Aufgrund eines schwachen Handels, der mit einer sehr niedrigen Inflation einhergeht. Damit sind die Voraussetzungen für steigende Zinsen im Euroraum und Deutschland nicht gegeben.

Investoren und Anleger sollten versuchen, einen Teil ihres Vermögens in Assetklassen zu allokieren, die weiterhin positive Renditen – natürlich in Abhängigkeit vom Risiko – versprechen.

Investitionen in Aktien mit Blick auf die Dividendenrendite bergen aufgrund der hohen Indexstände allerdings ein erhebliches Risiko.

Immobilien, ob physisch oder in gelisteten Immobilienunternehmen, egal ob Bestandshalter oder Projektierer, sind immer ein gute Absicherung gegen Inflation und Niedrigzins, allerdings ist dies auch schon weitgehend eingepreist.

Die Assetklasse Rohstoffe ist eine interessante und vor allem sehr liquide Alternative. Hervorzuheben sind hier sicher Edelmetalle die auch aufgrund der niedrigen Zinsen so gut wie keine Haltekosten verursachen. Die Dynamik in Gold nach dem Ausbruch aus der 10-Jahres-Range bei 1.300 Dollar pro Unze wird nicht nur durch Zinsen und geopolitische Unsicherheiten befeuert, sondern auch von der Nachfrageseite. Die Bundesbank hat im September zum ersten Mal seit 1998 wieder physisches Gold in Höhe von rund 90.000 Feinunzen angekauft, um ihre Goldreserven aufzustocken. Im Vergleich zu anderen Zentralbanken ist das zwar eher gering, doch wer weiß, welche Überraschungen die kommenden Monate bieten.

Für risikoorientierte Investoren bietet sich hier auch die Möglichkeit, in einer der großen Minenbetreiber (mit zum Teil 4 bis 6 Prozent Dividendenrendite) am Aktienmarkt zu investieren. Als Beimischung wäre sicher auch ein „junges“ Minenunternehmen (Explorer) interessant.

Zuletzt bleiben sogenannte „Alternative Investments“. Diese Assetklasse bleibt allerdings weitgehend den Spezialisten und Fachleuten vorbehalten.

Egal, ob Investition in Hedgefonds, Risikokapital, Crowdsourcing oder Kryptowährungen – sie haben alle eines gemeinsam: eine hohe Rendite sowie ein hohes Risikopotenzial. Dazu gehört auch, dass viele dieser Anlageformen im Vergleich zu den klassischen Anlageformen illiquide sind.

Karl Rheinberger, CEFA, ist seit 1990 mit Rheinberger-Invest in nahezu allen Assetklassen, Debt, Equity, Foreign Exchange, Commodities & Derivatives sowie Alternative Assets (SDG) im Kapitalmarkt aktiv. Er verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung im Primär- und Sekundärmarkt. Seit 2013 liegt ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf Sub-Sahara Africa & Tech Start-ups. Für die VPC Group begleitet er im Rahmen verschiedener Kapitalmaßnahmen Roadshows in Europa.

www.vpc-roadshow.de

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