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Blockchain & Cryptocoins

Foto: monsitj / iStock

Die Zukunft hat begonnen!

Der Rückblick zur Entstehungsgeschichte der Kryptowährung liest sich beinahe wie ein Thriller, der bei Anhängern der „ersten Stunde“ zum Teil auch einen religiösen Charakter angenommen hat. Doch was zeichnet Wallets, Kryptos und die Blockchain eigentlich aus? Das Derivate Magazin geht auf Spurensuche.

Er jährt sich in 2018 zum zehnten Mal und ging in Anlehnung an den Black Friday von 1929 als schwarzer Tag in die Wirtschaftsgeschichte ein. Die Rede ist vom 15. September 2008. Mehrere Tausend Angestellte mussten vom einen auf den anderen Tag ihren Arbeitsplatz räumen, etliche Finanzinstitute und zahlreiche Versicherungen konnten nur noch vom Staat gerettet werden, der Interbankenhandel und damit die Geschäftstätigkeit der Banken untereinander, kam faktisch zum Erliegen. Die Finanzkrise erlebte zu dieser Zeit mit dem Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt und die realwirtschaftliche Rezession setzte ein. Etwa ein Jahr danach schätzte ein Bankinstitut die Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise und resultierte unfassbare 10,5 Billionen Dollar.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“

Genesis 1. Mose – Lutherbibel, 1. Kapitel – Die Schöpfung
Die Geburt einer Geschichte

Sechs Wochen nach dem schwarzen Tag, am 31. Oktober 2008, erhielten Hunderte von Kryptografie-Experten eine E-Mail von Satoshi Nakamoto mit einem Link zu einer neunseitigen Beschreibung eines Zahlungssystems namens Bitcoin. Der Absender hätte auch getrost den Namen Max Mustermann verwenden können, denn – muss man wissen – so überschaubar war die Kryptografie-Szene. Man kannte einander, da ein reger Online-Austausch gepflegt wurde, doch der Name Satoshi Nakamoto war völlig unbekannt. Es musste sich also um ein Pseudonym handeln. Das machte die Sache mysteriös und verschaffte dem Bitcoin seinen eigenen Schöpfungsmythos. In seiner E-Mail schrieb Nakamoto: „Seit geraumer Zeit arbeite ich an einem elektronischen Zahlungssystem, das vollständig peer-to-peer ist und keiner vertrauenswürdigen Drittpartei bedarf.“ Er erklärte, dass sein Zahlungssystem auf einer Blockchain basiere, einer auf über unzählige Rechner gestreuten Datenbank. Ohne einen zentralen Server oder eine Autorität, die das System kontrollieren könne, sei die Technologie komplett dezentralisiert, wodurch verhindert werden könne, dass Transaktionen doppelt ausgeführt werden. Dabei wählte der Autor scheinbar den perfekten Zeitpunkt, war doch das Vertrauen in die Finanzwelt nach wie vor erschüttert.

Anonym und dezentral

Nakamoto verwendete zumindest drei E-Mail-Adressen – so viel ist bekannt. Doch diese waren äußerst aufwendig verschlüsselt, so dass eine Identifizierung unmöglich war. Der Plan der mysteriösen Figur war deutlich: Sein Zahlungssystem sollte die Welt aus den Fängen der Zentralisierung befreien. Denn scheinbar zeigte ihm der Höhepunkt der Finanzkrise die Machtlosigkeit des Einzelnen gegenüber den Zentral- und Geschäftsbanken. Und so betrat Satoshi Nakamoto mit seinem Heilsplan die virtuelle Bühne. Die Unbekanntheit des Gründers und die Eigenschaft, dass er keine zentrale Machtposition innehat, unterstrich zum damaligen Zeitpunkt die Anonymität sowie Dezentralität und damit die Integrität dieser virtuellen Währung. Genauso geheimnisvoll, wie er die Bühne betrat, so verschwand er drei Jahre später wieder. In der Zwischenzeit hatte nur eine kleine Gruppe von Kernprogrammierern Kontakt zu ihm. Und so wurde Nakamoto zu einer Art höheren Macht personifiziert, die unter seinen „Jüngern“ als gottesähnliche Gestalt in den Köpfen weiterlebte. Ähnlich der Schöpfungsgeschichte der Bibel, erschuf er für sie am Anfang den ersten Block an Bitcoins, den Genesis-Block. Noch heute ist die wahre Identität von Satoshi Nakamoto nicht zweifelsfrei geklärt. Was aber zurückblieb, hat das Potenzial, die Welt zu verändern und die Zukunft neu zu gestalten. Doch was ist eine Kryptowährung eigentlich?

Digitales Geld

Der Begriff Krypto stammt von der Bezeichnung Kryptographie, also der Wissenschaft, Informationen und Daten zu verschlüsseln und sie auf diese Weise vor fremdem Zugriff oder Manipulation zu schützen. Krypto-Geld ist also Geld in digitaler Form. Dieses wird nicht von Staaten oder Banken geschaffen, sondern von den Nutzern selbst und bringt viele Vorteile und Besonderheiten mit sich. Jede Transaktion muss auf ihre Gültigkeit geprüft und verifiziert werden. Dabei werden die bestätigten Transaktionen in sogenannten Blocks, also Verzeichnisse, aufgelistet. Die Aneinanderreihung der Blocks ergibt eine Kette, die Blockchain. Sie ist das Rückgrat der meisten digitalen Währungen. Letztlich ist sie ein offen einsehbares Hauptbuch, das alle getätigten Transaktionen transparent dokumentiert und miteinander verknüpft. Die Transaktionen werden also zu Blöcken zusammengefasst, auf Gültigkeit überprüft und in einem Prozess namens Proof-of-Work an die bisherige Kette von Blöcken angefügt. Die Sammlung der Informationen ist vergleichbar mit einem Kontoauszug bei der Bank, nur dass sie hier digital und vergleichsweise anonym ist, weil die Mitglieder einer Transaktion nicht namentlich benannt werden, sondern eine Identifikationsnummer als Pseudonym dient. Somit ist die Blockchain die Summe aller Blöcke. Jeder neue Block ist mit dem Hauptblock, dem sogenannten Genesis-Block, verbunden. Dies führt zu einer endlos langen Liste aller durchgeführten Transaktionen.

 
RANKING DER ZEHN GRÖSSTEN VIRTUELLEN WÄHRUNGEN NACH MARKTKAPITALISIERUNG

Kryptowährung Marktkapitalisierung (in Millionen Dollar) Eigenschaft
Bitcoin 188.223,39 Max. Blockgröße: 1 MB, setzt auf „O -Chain“-Skalierung via Lightning Network
Ethereum 85.385,86 Erweiterte Funktionen wie Smart Contracts
Ripple 35.830,70 Zahlungssystem ohne Blockchain
Bitcoin Cash 22.000,44 Abspaltung von Bitcoin, max. Blockgröße: 8 MB, setzt auf „On-Chain“-Skalierung
Litecoin 11.584,86 Alternative und schnellere Weiterentwicklung von Bitcoin
NEO 8.308,76 Plattform für Smart Contracts mit chinesischem Entwicklerteam
Cardano 7.594,64 Skalierbare Plattform der dritten Generation für Kontrakte und Werte
Stellar 6.028,82 Open-Source-Protokoll für den Wertaustausch
EOS 5.926,77 Skalierbare Plattform der dritten Generation für Hochgeschwindigkeits-dApps und Smart-Contracts
IOTA 5.410,44 Internet-der-Dinge-Zahlungssystem ohne Blockchain
Quelle: CoinMarketCap, Stand: 02.03.2018
Wege aus der Energiefalle

Doch der Prozess des Proof-of-Work ist enorm energieaufwendig, denn es müssen Rechenaufgaben gelöst werden, die nur durch häufiges Ausprobieren gelöst werden können. Dadurch wird aber auch ausreichend Arbeit in die Berechnung und Absicherung der Transaktionen investiert. Dieses Vorgehen ist auch bekannt als Mining. Da das Mining aber nicht nur kostenintensiv, sondern durch den hohen Stromverbrauch auch umweltschädlich ist, wurden bereits erste alternative Systeme wie das Prinzip des Proof-of-Stake, also dem Nachweis von Anteilen, entwickelt. Hier werden Transaktionen nicht durch die Lösung mathematischer Gleichungen verifiziert, sondern durch sogenannte Validatoren. Validatoren sind eine bestimmte Anzahl von Coins, die die Miner bereits besitzen und für die Überprüfung der Transaktionen zur Verfügung stellen. Da alle bereits durchgeführten Transaktionen in der Währung gespeichert sind, werden sie genutzt, um die nachfolgenden Überweisungen zu überprüfen. Hier wird festgestellt, dass keine Doppelbuchungen existieren. Wählen die Validatoren eine falsche Version der Blockchain, verlieren die Miner ihr Geld, weil die Anzahl der verfügbaren Coins genau festgelegt ist.

Verzicht auf den Mittelsmann

Ganz allgemein sind Kryptowährungen dazu gedacht, den Mittelsmann (z.B. PayPal) beim Erwerb von Waren oder bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen zu umgehen, um anonym zu zahlen und Transaktionsgebühren einzusparen. Dafür wird zunächst eine Zahlungsstelle benötigt, die in diesem Bereich als Wallet bezeichnet wird. Sie entspricht einer digitalen Geldbörse, die den Inhaber zum Besitz eines gewissen Betrags innerhalb eines globalen Netzwerks berechtigt. Trotz des jüngsten Kurseinbruchs am Kryptomarkt ist das Interesse an digitalen Währungen nach wie vor groß. Laut n-tv existieren inzwischen fast 2000 Kryptowährungen. Die bekannteste digitale, dezentrale Währung, die durch kryptografische Verfahren erschaffen wird, ist Bitcoin. Im Unterschied zum herkömmlichen Bankverkehr wird keine zentrale Abwicklungsstelle benötigt. Der Umrechnungskurs von Bitcoin in andere Zahlungsmittel bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage. Nach dem Kauf von Bitcoins auf einer Handelsplattform oder wenn ein Bitcoin an eine andere Person weitergegeben wird, geht eine Benachrichtigung über diese Transaktion an das gesamte Bitcoin-Netzwerk. Diese Transaktion muss von einem Miner bestätigt werden. Der Miner wiederum wird für seine Arbeit ebenfalls mit „Geld“ entlohnt. Mittlerweile werden Bitcoins von zahlreichen Unternehmen als Zahlungsmittel akzeptiert – Tendenz steigend. So lässt sich beispielsweise die Pizza beim Lieferdienst Lieferando mit Bitcoin bezahlen. Aber auch Alienware, Dell, Microsoft und einige Fluggesellschaften akzeptieren die Kryptowährung. In der niederländischen Stadt Arnheim kann in mehr als 100 Bars, Restaurants, Shops und Hotels mit Bitcoin gezahlt werden.

Initial Coin Offering

Bei einer Erstausgabe eines neuen Coins ist von ICO (Initial Coin Offering) die Rede. Beinahe täglich entstehen neue Coins. Genau wie der von Satoshi Nakamoto entworfene Bitcoin hat jeder Coin ein „WhitePaper“, welches verschiedene Informationen zu den Hintergründen und zukünftigen Absichten des Coins liefert. „Bei einem ICO erwerben Investoren Blockchain-basierte Tokens, also digitale Münzen eines Projekts oder Unternehmens, und setzen damit auf eine Wertsteigerung des Tokens“, erklärt Heiko Geiger, Derivate- Experte bei Vontobel. Während in Europa noch nach einer einheitlichen Regulierung gesucht wird, sind die Behörden in Korea nach Jahren der Erfahrung mit dem Kryptohandel sehr fortgeschritten und lassen unter anderem Anleger nur noch mit ihrem realen Namen zum Handel zu. So könnte die in Gibraltar ins Leben gerufene Blockchain Exchange (GBX), eine Möglichkeit sein, mehr Transparenz in den Handel mit ICOs zu bringen, zumindest, bis die Aufsichtsbehörden in Europa über einheitliche Regulierungen verfügen.

Interessanter ICO

Nennenswert ist sicherlich der aktuelle Vorverkauf der Plattform iCrowdU. So ist deren CrowdToken (CRTK) eine Analogie zum ursprünglichen Volkswagen-Konzept. Die Idee war, ein „Transportinstrument“ zu bauen, das sich jedermann leisten kann und das man in jedem Alltagsmoment nutzen kann: um unter anderem weltweit für einen Kaffee zu bezahlen, um einen Rabatt beim Einkaufen zu bekommen, um für Arbeit bezahlt zu werden, um Informationen zu erhalten, um Firmen zu finanzieren, sogar um Firmenanteile auf der Blockchain zu handeln, ohne an die Börse gehen zu müssen. Die „Crowd“ entscheidet, wie und wo sie den CrowdToken einsetzt. Das war die Basis für die Namensgebung des CrowdTokens. Zwischenhändler und jede Form von zentralisierter Organisation bleiben dabei außen vor, denn diese nehmen der Crowd ihre Stärke. Innerhalb der iCrowdU-Plattform sollen die CrowdToken zwischen den Nutzern übertragbar sein, so dass Nutzer selbst entscheiden können, wie, wo, wann und wofür sie den CrowdToken einsetzen wollen. Im Rahmen eines „Token Sale“ (oder auch ICOs) startete der Vorverkauf am 9. März 2018. „Der Vorverkauf des CrowdToken erfolgt bis zum 31. Mai 2018 in verschiedenen Preisschritten zwischen EUR 0,03 und EUR 0,25. Innerhalb der ersten beiden Verkaufswochen wurde der CrowdToken bereits in 73 Ländern von über 4.000 Nutzern aktiviert“, sagt Alexander Holtermann, Gründer und Erfinder des CrowdToken. Die Erlöse wird iCrowdU in die Entwicklung seiner eigenen Blockchain investieren, um Nutzern noch mehr Sicherheit und Transparenz bieten zu können. „Schon jetzt können wir sagen, dass der raketenhafte Aufstieg des CrowdToken sicherlich auch dem richtigen Konzept von iCrowdU geschuldet ist, denn das ist das, was die Leute brauchen“, meint Mitbegründer Ian Wright. Mehr Informationen zum CrowdToken finden Interessierte unter www.crowdtoken.sale/crtk-de.pdf.

Unterschiede der Blockchain

Ein weiteres, auf einer dezentralen Blockchain aufbauendes System ist Ethereum. Mit Ethereum können geschäftliche Vereinbarungen getroffen werden. So könnte ein Container zum Beispiel die Bezahlung seiner Fracht automatisch veranlassen, sobald er beim Besteller eintrifft. Das Zahlungsmittel hierbei ist die Währung Ether. Das Prinzip der digitalen Datenbank, die nicht gelöscht oder manipuliert werden kann, hat neben ihrer Funktion als Finanztransaktionsbuch bereits in weiteren Bereichen ihre Anwendung gefunden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es nicht die eine Blockchain gibt. Sie kann unterschiedlich ausgestaltet sein, denn eine Blockchain, die in der Verwaltung verwendet wird, muss anders konzipiert werden, als die Bitcoin- Blockchain, an der sich jedoch eine Vielzahl orientiert.

Intelligente Verträge

So zum Beispiel auch intelligente Verträge, die „Smart Contracts“, wie sie auf der Ethereum-Blockchain laufen. Das heißt, dass das gegenseitige Vertrauen, welches eigentlich die Basis von Verträgen ist, nicht mehr gebraucht wird, denn begeht eine der beiden Vertragsparteien einen Wortbruch, kann automatisch reagiert werden. Ein Beispiel: Jemand kauft ein Auto zu einer bestimmten monatlichen Rate. Wird diese nicht pünktlich gezahlt, kann der Bordcomputer über die Blockchain automatisch deaktiviert werden. Die Folge: Das Auto ist nicht mehr nutzbar, solange der Käufer den offenen Forderungen nicht nachkommt. Auch Versteigerungen werden beispielsweise zum Teil bereits via Blockchain durchgeführt, da sie die Transparenz und den tatsächlichen Erhalt des Geldes garantieren. Gleiches könnte auch bei Wettveranstaltern Einzug halten. Anstelle vom Ringetausch unter Zeugen, können Paare in den USA ihre Ehe über eine Blockchain schließen. Das ist zwar nicht romantisch, aber möglich, wenn durch das Scannen eines QR-Codes durch beide Partner die Identität der „Verliebten“ bestätigt wird. Darüber hinaus können Gesundheitsdaten oder Eigentumsverhältnisse wie zum Beispiel Grundbesitz über eine Blockchain organisiert und gesteuert werden. So hat in Schweden das Grundbuchamt Lantmäteriet bereits angefangen, Grundstücke und Eigentümer über eine Blockchain einzutragen. Damit sollen etwa 100 Millionen Euro jährlich eingespart werden, die ansonsten für Bürokratie und Betrugsfälle fällig würden. Honduras und Brasilien verfolgen ähnliche Pläne. Alle jemals getätigten sensiblen Daten können per entsprechendem Eintrag in einem Blockchain-Verzeichnis für immer nachvollzogen und nicht gelöscht oder verändert werden. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Staaten und Unternehmen an dieser Technologie forschen. Liegen doch die Beweggründe wie Sicherheit, Transparenz und Effizienzsteigerung, aber auch die Automatisierung von Prozessen über eine sichere Infrastruktur, auf der Hand.

Digitale Zukunftsmusik

Interessant könnte die Blockchain-Technologie bei der Durchführung von Wahlen sein. Einmal abgegeben, wäre die Stimme anonym, unwiderruflich gespeichert und vor Manipulation geschützt. Aber auch ein Zahlungsmittel, dass beispielsweise für den Kauf von Fanartikeln oder gastronomischen Angeboten im Stadion – ganz gleich, an welchem Ort – von allen Vereinen akzeptiert wird, könnte durchaus Marktpotential haben. Möglicherweise ist hier der FanCoin die Lösung. Für Aufsehen sorgte auch die Idee des sogenannten redBUX, eines eigenen Utility Token für die „erste“ interaktive Virtual-Reality-Erotikplattform der Welt. Das Ziel des ICOs lag bei 130 Millionen Euro, Start war im März 2018. Im Hintergrund arbeiten Versicherungen sicherlich bereits an Lösungen, um zum Beispiel den Tachostand von Fahrzeugen zum Schutz vor Manipulation zu kontrollieren oder den Rezeptbetrug im Gesundheitswesen zu unterbinden. Zur Absicherung von Transaktionen auf partiell dezentralen Systemen arbeiten nicht nur Banken, sondern auch Payment-Provider an der Blockchain.

Gewünschte Bahnen

Die unzähligen Weiterentwicklungen der ursprünglichen Kryptowährung zeigen bereits jetzt, dass der Bitcoin-Community ein Ernüchtern bevorstehen könnte, denn inzwischen befassen sich nicht nur die Zentral- und Geschäftsbanken mit der Blockchain, sondern auch viele Großunternehmen. Dabei scheint es nun mehr als realistisch, dass sich die Genesis-Idee zwar in zahlreichen Bereichen durchsetzen, aber vermutlich von den Konzernen in deren gewünschte Bahnen gelenkt wird. Entsprechend ist es für den Moment ausgeschlossen, dass der Nakamoto-Plan vom Aufräumen mit den bestehenden Herrschaftsstrukturen Einzug hält. Die Idee, sämtliche zentralistischen Institutionen obsolet werden zu lassen, ist vermutlich gescheitert. Doch dafür hat der Bitcoin mit seinem schöpferischen Idealismus eines geschafft: Die Zukunft hat begonnen!

BLOCKCHAIN-BEISPIEL

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in einen Supermarkt und erledigen Ihre Einkäufe. An der Kasse werden Sie aufgefordert, in eine Linse zu blicken. Diese scannt ihre Iris und löst damit eine komplizierte Transaktion aus, an deren Ende der Supermarktbesitzer um den Preis der gekauften Waren reicher wird und Sie als Kunde um den Betrag ärmer werden. Dieser Vorgang geschieht, ohne dass eine Bank oder ein Kreditkartenunternehmen beteiligt ist.

Ein solches Zukunftsszenario ist in Wahrheit längst Realität. Und diese Realität versetzt Investoren in regelrechte Rauschzustände und raubt Bankern von Tokio über Frankfurt und London bis nach New York den Schlaf.

Eingesetzt wird die Technik unter anderem in Flüchtlingslagern in Jordanien, wo auch Supermärkte mitten im Wüstenstaub unter einer Wellblechhütte Einzug gehalten haben. Zum Hintergrund: Früher verteilten die Mitarbeiter des Welternährungsprogramms Lebensmittel an Menschen, die in Not geraten sind, noch persönlich. Irgendwann wurden Gutscheine oder Geldnoten herausgegeben, damit eigenständig entschieden wer- den konnte, was auf dem Speisezettel steht – davon profitierte dann auch die lokale Wirtschaft. Mittlerweile wird das „Geld“ als Datensatz in einem Computernetzwerk des Welternährungsprogramms hinterlegt. Auf diesem Weg hat sich die Blockchain auch in Flüchtlingslagern Eintritt verschafft. Da eine Bank bis hierhin überflüssig ist, entfallen Kontoführungsgebühren oder Bargeldtransporte. Das ist einerseits ein Kostenvorteil und gibt andererseits auch an instabilen Orten eine höhere Sicherheit, dass Geld nicht in falsche Hände gerät. Erst wenn der Supermarktbesitzer den erhaltenen Datensatz in eine handelsübliche Währung eintauschen möchte, kommt eine Bank ins Spiel.