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Mobile Zukunft Vier Megathemen und ihr Einfluss auf die Fortbewegung der Menschheit

Foto: metamorworks / iStock

Das neue Automobilzeitalter hat begonnen. Fast jeder kennt schon Personen in seiner Umgebung, welche mit Hybrid- oder sogar mit einem reinen Elektrofahrzeug unterwegs sind. Und auch die ersten halbautonomen Fahrzeuge sind bereits auf der Straße. Weitere neue Technologien und Beförderunskonzepte sind im Test und dürften die Veränderungen sogar noch beschleunigen. Anleger könnten von dem Zeitenwechsel im Automobilbereich profitieren.

Autos fahren still und sauber durch die Stadt; keines davon fährt zu schnell oder zu langsam. Ein Stau kann so erst gar nicht mehr entstehen. Keines der Fahrzeuge kann eine rote Ampel missachten oder versehentlich auf die falsche Spur geraten. Fahrtzeiten sind über lange Strecken fast sekundengenau planbar, freie Parkplätze werden im Display angezeigt.

Das obige Szenario erscheint heute noch nicht wirklich vorstellbar, hat aber künftig konkrete Realisierungschancen. Der Weg dorthin wird allerdings noch steinig sein und vor allem sehr teuer. Autonomes Fahren, digitale Vernetzung, Elektromobilität und geteilte Ressourcennutzung sind die vier Megathemen der Automobilindustrie. Alle vier einzeln, aber vor allem im Zusammenspiel, werden sie unsere Fortbewegung gravierend in der Zukunft beeinflussen. Sämtliche PKW-Hersteller, aber auch alle Automobilzulieferer sind in den vier genannten Bereichen derzeit gewaltig am Forschen und Entwickeln. Aber auch neue Marktteilnehmer wie Sensor- oder Halbleiterhersteller oder auch Telekomunikations- oder Internetriesen wie beispielsweise Alphabet (Google), Huawei, Apple, SAP oder die Deutsche Telekom versuchen in diesen Zeiten mit voraussichtlich gewaltigen Veränderungen, einen Fuß in den Markt „Fortbewegung“ zu bekommen.

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“
Henry Ford

Elektro-Nachfrage steigend

Die Elektromobilität nimmt seit 2017 in Europa stark an Fahrt auf. Denn nun sind auch die europäische und vor allem die deutsche Automobilindustrie sichtbar auf den Zug aufgesprungen (siehe Grafik Seite 15). Im Hintergrund ist die deutsche Autoindustrie wahrscheinlich sowieso deutlich weiter, als es die Gesellschaft vermutet – das lassen wenigstens die vielen deutschen Zukunftspatente in den Bereichen der automobilen Megatrends vermuten. Laut dem Verband der Automobilindustrie stammt alleine im Bereich der Elektromobilität jedes dritte Patent aus Deutschland. Die Forschungskraft der Hersteller und Zulieferer wird nun entschlossen dafür eingesetzt, Veränderungen hin zu digitalen Prozessen und alternativen Antrieben weiter voranzutreiben. Keine andere deutsche Industrie investiert so viel Geld in Forschung und Entwicklung wie die Automobilbranche – im Jahr 2015 stellten deutsche Unternehmen weltweit dafür 39 Milliarden Euro bereit. Rund 110.000 Menschen forschen bei Herstellern und Zulieferern an automobilen Innovationen – das entspricht etwa einem Viertel des gesamtwirtschaftlichen Entwicklungspersonals in Deutschland. Jedenfalls präsentieren die deutschen Hersteller nun ihre schnell wachsende Flotte an E-Fahrzeugen – bis 2020 sollen es schon über 100 verschiedene Typen sein.

Bundesweit steigt die Zahl der zugelassenen Elektroautos und notwendigerweise auch die der Ladesäulen (siehe Grafiken). Auch wenn die Mehrzahl der Neuanmeldungen von Fahrzeugen noch deutlich zugunsten Benziner und Diesel spricht, so waren es trotzdem beispielsweise im dritten Quartal 2018 immerhin schon 5,1 Prozent und damit schon eine signifikante Größe von Kraftfahrzeugen mit alternativen Antrieben. Weltweit gesehen sind laut eines Handelsblatt-Berichts zum Jahresbeginn 2019 insgesamt 5,6 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs – 64 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Das es schneller als in Deutschland gehen kann, zeigen andere Länder auf der Welt. Wachstumstreiber sind vor allem immer die regulatorischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Märkten. So treiben etwa Norwegen und China die Elektromobilität mit starken staatlichen Anreizsystemen deutlich nachdrücklicher voran als Deutschland. Und können dadurch auch deutlich höhere Anmeldezahlen ververöffentlichen.

Mein Auto, dein Auto

Car2go, Drive Now, MyTaxi, Didi Chuxing oder Uber sind nur ein paar wenige von berühmten Namen der Sharing-Economy-Szene (geteilte Autonutzung). Der Konsument besitzt eine Ressource also nicht mehr als Eigentum, sondern nutzt sie, indem er sie teilt. Auch in der Automobilindustrie ruft dieses Nutzungsmodell bereits großes Interesse hervor.

Neben dem klassischen Carsharing wie Car2go, DriveNow oder book-n-drive, die vor allem in den Großstädten seit Jahren enorme Wachstumszahlen verzeichnen können, gibt es ein gewaltiges Angebot an Firmen, welche sich in dem Bereich „kollektives Teilen“ bewegen und Plattformen dafür entwickeln. Die prominentesten Beispiele – und relevant für die Automobilindustrie – sind sicher Uber, Lyft oder die asiatische Go-Jek. Die jeweiligen Apps ermöglichen es, per Fingertipp auf dem Smartphone einen Wagen zu bestellen und verbinden so Kunden und Fahrer eines passenden Autos in kürzester Zeit. Auch wenn es, im Gegensatz zu anderen Ländern, in Deutschland noch nicht alle Leistungen und wenige Anbieter gibt, die Zukunft ist nicht mehr aufzuhalten. Denn die Gründe für den Erfolg dieser Geschäftsmodelle sind Transparenz, geringere Kosten, Sicherheit, Flexibilität, Verfügbarkeit und digitale Zahlungsmethoden. Was in Amerika unter Ridesharing bekannt ist und in Deutschland im weiteren Sinne mit „Sammeltaxi“ erklärt werden kann, dürfte sich demnächst auch in europäischen Ländern verbreiten, da es nicht nur praktisch, sondern auch deutlich günstiger als eine Einzelfahrt ist. Mehrere Fahrgäste, die in die ähnliche Richtung wollen, schließen sich per digitaler Plattform via Smartphone zusammen. Dafür muss eventuell ein Umweg eingerechnet werden, weil erst das Fahrziel eines anderen Gastes angesteuert wird, der Fahrtpreis reduziert sich aber, im Gegensatz zur Einzelfahrt, erheblich.

Schnellste Digitale Vernetzung

Die Zukunft des Automobils wird ohne eine intelligente Dateninfrastruktur nicht funktionieren. Daher arbeiten Automobilhersteller und IT-Industrie auf Hochtouren daran, die vorhandenen Technologien weiterzuentwickeln. Ziel ist es, dass jedes Auto völlig selbständig seine perfekte Route wählen kann und anschließend autonom im allgemeinen Verkehrsfluss mitschwimmt. Dabei gilt es, den Fahrgästen vor allem höchsten Komfort und bestmögliche Sicherheit zu bescheren. Dies alles funktioniert nur mit neuen, schnelleren Übertragungsnetzen. Daher muss das 5G-Netz schnellstens in Deutschland auf den Weg gebracht werden. Denn ohne schnellere Datengeschwindigkeit und Rechenleistungen besteht die Gefahr, von anderen Ländern wie beispielsweise China, Südkorea und den Vereinigten Staaten, abgehängt zu werden. Während hier von einer Einführung frühestens 2021 gesprochen wird, scheinen amerikanische Unternehmen wie Motorola und Verizon bereits in diesem Jahr in diversen US-Mega-Städten wie Los Angeles oder Houston zu starten. Noch weiter ist das neue Netz in Asien fortgeschritten. Der koreanische Mobilfunkbetreiber LG beispielsweise hat in Südkorea bereits 10.000 5G-Basisstationen des chinesischen Produzenten Huawei aufgestellt. Und in China selbst sind die beiden weltweit operierenden Technologiekonzerne ZTE und Huawei bereits sehr weit mit dem Aufbau eines eigenen 5G-Netzes fortgeschritten. Zahlreiche Trendforscher sind der Meinung, dass mit der neuen Netzgeneration eine massenhafte Maschine-zu-Maschine(M2M)-Kommunikation gelingen kann. Denn 5G ist rund 100 Mal schneller als eine gute heutige LTE-Verbindung (4G). Erst mit 5G können sämtliche Geräte mit Sensoren ausgestattet werden und miteinander kommunizieren. Wie bedeutend das Thema 5G-Netz ist, zeigt sich daran, dass viele Experten dieses Thema als Hauptgrund für den Handelsstreit zwischen China und den USA sehen. Wer hier die Oberhand gewinnt, könnte die führende Nation der Zukunft sein.

AKTIEN

Unternehmen Land WKN Kurs
Tesla USA A1CX3T 230,83
Apple USA 865985 168,22
Alphabet (Google) China A14Y6F 1.063,05
ZTE China A0M4ZP 2,46
Baidu China A0F5DE 146,45
BYD China A0M4W9 5,59
Continental Deutschland 543900 137,10
Knorr-Bremse Deutschland KBX100 86,98
Dialog Semincon. Deutschland 927200 27,66
Quelle: ariva.de; Briefkurse in Euro; Stand: 25.03.2019
Ohne Fahrer unterwegs

Die ersten Autos fahren bereits autonom auf unseren Straßen. Doch noch sind es ausschließlich reine Testeinsätze. Momentan tauchen noch zu viele Probleme auf, als dass ein Gesetzgeber weltweit diese ohne aufmerksamen Fahrer am Lenker, welcher im Notfall eingreifen könnte, für den täglichen Gebrauch in der Masse zulassen würde. In den nächsten Jahren könnte sich das schnell ändern, denn sobald das neue 5G-Netz flächendeckend verbreitet ist, stehen Daten in Echtzeit bereit, die für autonomes Fahren lebensnotwendig sind. Laut Medien sind die meisten autonomen Testwagen in Kalifornien unterwegs (siehe Tabelle) – wahrscheinlich werden es aber in China nicht weniger sein –, aber auch in Deutschland gibt es schon bereits seit 2015 diverse Teststrecken. Beispielsweise Autobahnen und Straßen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen oder auch in Nordrhein-Westfalen. Selbst in der Hauptstadt Berlin sind Straßen präpariert, damit autonome Fahrzeuge hochkomplexe Verkehrssituationen wie Parken auf dem Mittelstreifen, Fahren in Parkhäuser, Kreisverkehre oder mehrspurige Straßen meistern lernen.

Investieren in die automobile Zukunft

Die Entwicklung in der Autoindustrie schreitet mit riesigen Schritten voran, die Rahmenbedingungen für die oben genannten vier Megathemen der automobilen Zukunft werden von Jahr zu Jahr besser und stehen auch für die Politik ganz oben auf der To-do-Liste. Selbst bestehende Probleme wie beispielsweise die genannten, zu langsamen Datennetze, welche die Unternehmen an der Weiterentwicklung bisher behinderten, könnten sich in absehbarer Zeit auflösen. Jedenfalls sind die vier Megatrends im Automobilsektor eine beachtenswerte Sache für jeden Anleger. Wer davon profitieren möchte, hat die Wahl zwischen diversen Anlageprodukten. Anleger, die breit gestreut an dem Thema partizipieren möchten, den bieten sich Zertifikate, ETFs oder Fonds an. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, direkt in die Aktie einer der beteiligten Unternehmen zu investieren.

Zu den Zertifikaten, mit dem Anleger eines oder mehrere der genannten Megatrends abdecken können, gehört das Deutsche Bank X-markets Index-Zertifikat auf den Solactive Auto der Zukunft Index. Dieser bildet die Kursentwicklung von internationalen Unternehmen ab, die für den Automobilsektor eine zunehmend größere Rolle spielen, darunter Zulieferer, Halbleiter- und Komponentenhersteller sowie Anbieter von Funk- und Sicherheitssystemen und weiteren Technologien. Aktuell sind 27 Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern im Index enthalten. Das weitere stammt von UBS und ist ebenfalls ein Index-Zertifikat ohne Laufzeitbegrenzung auf den Solactive Elektromobilität und Autonomes Fahren Technologieträger Index. Dieser bildet 20 führende Unternehmen aus den Bereichen Elektromobilität und autonomes Fahren ab. Der Index konzentriert sich insbesondere auf Technologieträger und Zulieferer. Nicht enthalten sind Aktien von Automobilherstellern. Weitere Infos zu beiden Indizes gibt es unter www.solactive.com. Deutlich breiter aufgestellt ist ein ETF aus dem Hause iShares. Dieser bildet den Euro STOXX 600 Automobiles & Parts Index ab, welcher 600 der größten Aktien des europäischen Automobil- & Ersatzteilesektors aus 18 europäischen Ländern umfasst. Wer statt in die drei passiven Anlageprodukte lieber in einen aktiv gemanagten Fonds investiert, der könnte einen Blick auf den BlackRock Global Funds – Future of Transport werfen. Dieser legt mindestens 70 Prozent seines Fondsvermögens in Aktien von Unternehmen an, die sich auf die Entwicklung von elektrischen, autonomen und vernetzten Fahrzeugen spezialisiert haben.

Weltweite Beteiligung

Wer direkt über eine Unternehmensaktie in eines der Megathemen investieren möchte, hat die Qual der Wahl. Denn hunderte Firmen weltweit sind an der Entwicklung der automobilen Zukunft beteiligt. Viele, wie beispielsweise Tesla oder Uber, haben schon einige Vorschusslorbeeren eingepreist und könnten daher derzeit eher etwas überbewertet sein. Ganz anders die chinesischen Beteiligten. Diese sind allesamt eher zu niedrig bewertet, was dem noch immer existierenden Vorbehalt gegenüber chinesischen Unternehmen geschuldet sein dürfte. Hier seien vor allem Namen wie den beiden Telekomunikationsriesen Huawei und ZTE, der Autohersteller BYD, der Lithium-Batterie-Hersteller CATL oder der Google-Konkurrent Baidu genannt. Dass die chinesischen Unternehmen als Portfoliobeimischung interessant sein könnten zeigt sich daran, dass selbst Investmentlegende Warren Buffett seit Jahren beispielsweise mit über acht Prozent an Build Your Dreams (BYD) beteiligt ist. Aus Deutschland sind sehr stark Continental und die großen Autohersteller allesamt an den Mega-Auto-Zukunftsthemen beteiligt. Die PKW-Hersteller stecken aber noch zu stark in der Dieselproblematik und brauchen wahrscheinlich noch einige Zeit, bis ihre Aktienkurse das Zukunftspotenzial der nächsten PKW-Generation widerspiegelt. Daher könnte es sich vielleicht lohnen, ein Blick auf Werte aus dem MDax und dem TecDax zu werfen. Hier sind es Namen wie Knorr-Bremse oder Dialog Semiconductor, welche ebenfalls u.a. in den vier Zukunftsbereichen tätig sind.

Die nächsten Jahre werden im Automobilbereich spannend. Welche Antriebsart setzt sich durch, fahren wir morgen noch alle mit eigenen PKWs herum oder nutzen wir alle Sammeltaxis beziehungsweise teilen uns ein Fahrzeug? Die Zukunft hat jedenfalls schon begonnen und täglich werden wir nun mit neuen Fahrzeugen und Techniken überrascht. Vielleicht wird die eine oder andere alteingesessene Firma verschwinden oder übernommen, dafür werden manche von den vielen kleinen Start-ups zu großen bedeutenden Konzernen heranreifen.

INVESTMENT IN ELEKTROMOBILITÄT

Emittent Produkt WKN Basiswert Kurs
BlackRock Global Fonds Fonds A2N4K2 Future of Transport Fund 8,72 USD
iShares ETF A0Q4R2 STOXX Europe 600 Automobiles & Parts 44,80 EUR
UBS Open End Index-Zertikat UBS9EM Solactive Elektromobilität und Autonomes Fahren Index 91,25 EUR
X-markets (Deutsche Bank) Open End Index-Zertikat DS8AUT Solactive Auto der Zukunft Index (NTR) 85,29 EUR
Quelle: ariva.de, Stand: 02.03.2018

DIE DIVERSEN LEVEL DES AUTONOMEN FAHRENS

Die SAE (Society of Automotive Engineers) hat fünf Stufen (Levels) des automatisierten bzw. autonomen Fahrens definiert. Diese Einteilung hat sich weltweit in der Automobilindustrie durchgesetzt:

Level 0: Keine Automation
Der Fahrer lenkt, beschleunigt und bremst selbst.

Level 1: Assistiertes Fahren (Füße)
Das Auto verfügt über einzelne unterstützende Systeme wie Antiblockiersystem (ABS) oder ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (EPS), die selbsttätig eingreifen.

Level 2: Teilautomatisiertes Fahren (Füße, Hände)
Das Auto kann autonom geradeaus fahren, der Spur folgen, den Abstand zum Vordermann regeln usw. In Staus übernimmt das Fahrzeug komplett (bedingte Automation). Der Fahrer muss jederzeit eingreifen können.

Level 3: Hochautomatisiertes Fahren
(Füße, Hände, Augen)
Das Auto kann streckenweise selbsttätig beschleunigen, bremsen und lenken (bedingte Automation). Bei Bedarf fordert das System den Fahrer auf, innerhalb weniger Sekunden die Kontrolle zu übernehmen. Der Fahrer muss jederzeit eingreifen können.

Level 4: Vollautomatisiertes Fahren (Füße, Hände, Augen, Gehirn)
In Normalbetrieb kann das Fahrzeug vollständig autonom fahren. Der Fahrer hat aber die Möglichkeit, einzugreifen und das System zu „überstimmen“.

Level 5: Fahrerloses Fahren
Vollautomatisierter, autonomer Betrieb des Fahrzeugs ohne die Möglichkeit (und Notwendigkeit) des Eingreifens durch den Fahrer.